Gesichter des Museums

Folge 3: Suzan Mesgaran, Veranstaltungsmanagerin

In unserer Serie über die Gesichter des Museums widmen wir uns an dieser Stelle Suzan Mesgaran, einer Perfektionistin auf leisen Sohlen. Mesgaran stammt aus dem Iran und ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden, was man der zierlichen, so sympathisch auftretenden Frau nicht ansieht. Als „Ungläubige“ wurde sie im Iran verfolgt und inhaftiert. Das begonnene Medizin-Studium durfte sie nicht fortsetzen. Mit einem Studenten-Visum kam sie nach Deutschland – und blieb. Nach einem abgeschlossenen Architektur-Studium landete sie beruflich 1999 im Museum und wurde verantwortliche Veranstaltungsmanagerin. Suzan Mesgaran ist mit dem aus dem Iran stammenden Salem Khalfani verheiratet, der als Depotverwalter ebenfalls im Museum arbeitet. Vielleicht ein Omen für Suzan Mesgarans heutige Tätigkeit: Ihre erste Skizze als Architekturstudentin fertigte sie 1996 im Wiesbadener Museum an, bevor große Bauarbeiten im Museum begannen. Ihre Gedanken kamen ziemlich nah an den dann folgenden Innenausbau des Museums heran …

Frau Mesgaran, was war denn bisher Ihre größte Herausforderung als Veranstaltungsmanagerin im Museum Wiesbaden?

Sieben Jahre lang habe ich Veranstaltungen des Internistenkongresses betreut, die von den Rhein-Main-Hallen zu uns ausgelagert waren. Das lief neben anderen Verpflichtungen, oft während des Kongresses zwischen sechs Uhr früh und Mitternacht. Es war so interessant – es gibt viele Ärzte, die sich für Kunst interessieren. Es sind Kontakte entstanden, die bis heute halten.

Und was war der schönste Event, den Sie bisher betreut haben?

Alle unsere Ausstellungseröffnungen sind schöne Events. Man trifft interessante Menschen, betreut Künstler, bekommt bei solchen Veranstaltungen auch Energie für die nächste.

So, nun müssen wir aber auf Ihren Lebenslauf schauen. Sie stammen aus dem Iran, wann sind Sie nach Deutschland gekommen, und was war die Intention?

Ich möchte nicht so ausschweifend antworten. Aber ich habe den Iran aus politischen Gründen 1990 verlassen.

Sie waren damals in ihrer damaligen Heimat im Medizinstudium?

Ja, aber ich durfte dann als „Ungläubige“ nicht weiterstudieren, das war 1988. Ich musste zu Hause bleiben. Zwei Jahre später entschied eine islamische Kommission, dass ich keine Medizinerin werden dürfte. Das Land brauche keine „ungläubigen Ärzte“.

Sie mussten sogar für zwei Jahre ins Gefängnis gehen.

Ja, das stimmt.

Man erlaubte Ihnen dann, Krankenschwester zu werden.

Ja, das war auch ein Studiengang. Den habe ich absolviert.

Doch dann wollten Sie ausreisen?

Ja, ich habe ein Studentenvisum beantragt und bekommen. Ich konnte ja nichts mehr machen, wurde total überwacht.

Aber in Deutschland wollten Sie Medizin nicht weiter studieren?

Nein, ich hatte so viel Elend erlebt, war ständig unter Druck, auch während der Ausbildung zur Krankenschwester. Ich habe viele Kriesgsverletzte betreuen müssen, habe viele Menschen sterben gesehen, ohne helfen zu können.

Sie schwenkten in eine ganz andere Richtung: Architektur.

Zuerst wollte ich Biologie studieren. Dann kam ich aber zur Architektur. Sie fasziniert mich bis heute.

Was hat Sie denn letztlich in Deutschland zur Architektur gebracht?

Ein Architekt befasst sich mit allen Aspekten. Raum, Licht … Architektur hat mich immer schon interessiert. Und ich konnte an der FH Wiesbaden studieren. Nach dem Abschluss war ich sechs Monate angestellt bei Hochtief. Das war eine gute Zeit.

Aber sie blieben dort nicht?

Leider gab es eine große Entlassungswelle. Ich war noch nicht lange dabei und war deshalb unter den Ersten, die gehen mussten. Es war eine schwierige Zeit für Architekten und Ingenieure. Ich hätte zwar die Möglichkeit gehabt, in Architekturbüros zu arbeiten, aber ich empfand es nicht als das Richtige.

Wie kam es, dass Sie dann 2003 die Arbeit im Museum annahmen?

Während des Studiums hatte ich schon seit 1997 als Aufseherin gearbeitet. Und ich fragte damals Frau Dr. Petzinger, ob es eine Arbeit für mich geben könnte. Sie sagte: Wir brauchen eine Veranstaltungsmanagerin.

Und das hat Sie interessiert?

Ja, ich konnte diese Abteilung aufbauen, die gab es ja vorher nicht. Ich habe drei Jahre mit Frau Dr. Petzinger eng zusammengearbeitet, sie hatte zuvor alles an Veranstaltungen organisiert. Es war eine große Herausforderung für mich.

Und sie fühlten sich gleich gut mit dieser Aufgabe im Museum?

Ja, ich musste erst mal viel recherchieren. Jetzt kann ich sagen: Ich kann gut organisieren.

Wie würden Sie denn Ihren Arbeitsplatz beschreiben?

Erst einmal versuche ich vor einer Veranstaltung alle Infos zu bekommen. Ich muss das Equipment beschaffen, das Personal organisieren, den Security-Service klären. Ich muss klären, wie viele Räumlichkeiten wir brauchen. Und mit Externen alles besprechen. Es ist eben viel Organisation nötig. Außer mir gibt es noch eine Kollegin, die sich vornehmlich um externe Veranstaltungen kümmert.

Und dann gibt es ja bestimmt auch immer noch Extrawünsche?

Ja, natürlich. Der Chef zum Beispiel kommt mit Ideen. Etwa, wie beim Empfang nach der Eröffnung der Serra-Ausstellung, ein Flying Buffet, da muss man schon in jedes Detail gehen, auch hartnäckig in den Gesprächen sein. Und das alles braucht einen guten Vorlauf.

Für uns Freunde des Museums sind Sie ja z.B. auch beim Jour Fixe aktiv.

Das mache ich gerne. Da freue ich mich über die gute Zusammenarbeit.

Sie treten sehr leise auf, aber Sie haben – wie wir von den Freunden des Museums es immer wieder beobachten können – alles bestens im Griff.

Na ja, ich bin eher zurückhaltend. Ich bin eine Perfektionistin, auch privat, und auch, wenn nicht alle Mittel da sind, die man eigentlich braucht.

Aber Sie sind immer da, wo sie gebraucht werden …

Ich beobachte bei allem, ob es gut läuft. Und greife ein, wenn es ein Problem gibt.

Wie reagieren Sie auf ungehaltene Besucher, etwa am eintrittsfreien Samstag im März, als es bei insgesamt dreitausend Menschen notgedrungen auch mal zu Engpässen kommen musste?

Ich versuche immer, die Ruhe zu bewahren, vieles kann man auch im Vorfeld klären. Etwa, wenn man wie im März am eintrittsfreien Samstag zusätzliche Garderoben braucht. Wenn es dennoch zu Staus kommt, bin ich da und rede mit den Menschen. Die meisten haben Verständnis. Ich sehe zu, dass ich den Kollegen die Arbeit erleichtern kann.

Haben Sie denn auch Zeit, Kunst oder das Angebot im Naturwissenschaftlichen Bereich zu genießen?

Viel Zeit habe ich nicht, versuche aber, mir jede neue Ausstellung anzusehen. Mir ein eigenes Bild zu machen, ist sehr wichtig. Wenn es zeitlich machbar ist, nehme ich auch an einer Führung teil. Das ergänzt dann mein eigenes Bild von der Ausstellung. Noch ein Wort zur Naturwissenschaftlichen Sammlung, die ich seit 20 Jahren kenne: Die neue Präsentation seit 2013 ist wunderbar!

Haben Sie ein Lieblingsbild?

Ja, das Liebespaar von Otto Müller. Und Nanna von Feuerbach, die könnte ich stundenlang anschauen.

Was würden Sie gerne einmal im Museum veranstalten und gestalten?

Einen Flamenco-Tanzabend. Flamenco ist mein großes Hobby.

Ihr Ehemann ist für das Depot des Museums zuständig. Wie viel Museum nehmen Sie denn am Abend mit nach Hause?

Wir können unsere Arbeit im Museum und unser Privatleben schon trennen. Mein Mann hat Literaturwissenschaften studiert, das ist sein Leben.

Wir werden gerne auch mit ihm ein Gespräch führen. Sie haben aber bestimmt gemeinsame Hobbys mit Salem Khalfani, der wie Sie aus dem Iran stammt.

Ja, unsere gemeinsamen Hobbys sind Musik, Theater, Literatur.

Wenn Sie einen Wunsch für das Museum frei hätten, wie würde dieser lauten?

Wir sind ein erfolgreiches Museum. Dass dies international noch bekannter wird, das wünsche ich mir. Dankbar bin ich für die Unterstützung der Freunde des Museums, deshalb ist es mir auch eine große Freude, den Verein bei Veranstaltungen zu unterstützen.

Das Interview führte Ingeborg Salm-Boost

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