Kolumne: Unter Freunden

Frau Dr. W. sei Dank

Mir trat kürzlich meine erste ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk eines großen Künstlers wieder plastisch vor Augen. Auslöser war das Zusammentreffen in unserem Museum Wiesbaden mit Jugendlichen der Martin-Niemöller-Schule, die sich doch tatsächlich mit der nicht gerade „leichten“ Ausstellung „Caravaggios Erben“ in ganz besonderer, imponierender Weise befasst hatten. Darüber demnächst mehr auf dieser Website.

Zu meiner Gymnasialzeit haben wir nur wenige Ausflüge zur Kunst unternommen, Ausflüge, wie sie heute erfreulicherweise häufiger an Schulen selbstverständlich sind. Und der Unterricht war nicht besonders spannend. Das Bild, das mein Interesse an der Malerei schließlich sehr förderte, brachte unsere Deutschlehrerin Frau Dr. W. eines Tages mit in die Klasse. Ein Renoir: „Zwei Schwestern“ oder „Zwei Schwestern auf der Terrasse“ heißt das Werk, das heute im Art Institute of Chicago hängt. Was wir sahen und beschreiben sollten, diente weniger der Schulung unseres Kunstverständnisses, sondern mehr der Übung, einen ordentlichen Aufsatz zu schreiben. Ich weiß nicht mehr, was ich niederschrieb, aber das Renoir-Bild der Mädchen inspirierte mich, dem Werk des Impressionisten, der sich später dem Klassizismus zuwandte, mehr Beachtung zu schenken. Ich recherchierte – ohne Internet. Der Grundstein für das Kunstinteresse war dank der Studienrätin Dr. W. gelegt. Und immer wieder kann ein einziges Bild ein großes Interesse in mir am Gesamtwerk des Kunstschaffenden auslösen – bis heute.

Wie schön ist es doch, dass im Museum Wiesbaden nicht zuletzt dank Ihrer Mithilfe die Museumspädagogik jungen Menschen viele spannende Möglichkeiten bietet, einerseits der Kunst, andererseits aber auch der Natur nahe zu kommen. Wie schön, dass schon die Kita-Kinder spielend Zugang finden – ehe sie später so kreative Projekte wie die Niemöller-Schülerinnen angehen, die mich kürzlich sehr bewegt haben. Übrigens: Diese künstlerische Auseinandersetzung mit dem italienischen Barock ist eines der eingereichten „Leonardo-Projekte“ für 2017. Der bundesweit schon ausgezeichnete Schul-Award der Wiesbaden-Stiftung zeigt alle zwei Jahre, welches Potenzial in den unterschiedlichsten Bereichen in Schülerinnen und Schülern dieser Stadt steckt.

(Ingeborg Salm-Boost)

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