Unter Freunden

Charlotte Brand – Botschafterin fürs „süße Leben“

In der Chocolaterie Kunder war Charlotte Brand früher täglich anzutreffen. Heute, mit 80, ist sie immer noch für das Unternehmen ihrer Familie aktiv – im Außendienst! (Foto: vrm-Archiv/Kubenka)
In der Chocolaterie Kunder war Charlotte Brand früher täglich anzutreffen. Heute, mit 80, ist sie immer noch für das Unternehmen ihrer Familie aktiv – im Außendienst! (Foto: vrm-Archiv/Kubenka)

Weihnachtszeit, Jahreswechsel – Tage, an denen man gerne an liebe Menschen denkt. An die, die uns besonders nahe stehen, aber auch an solche, die man immer wieder gerne trifft und spricht, weil sich die Interessen gleichen. Solche finde ich oft im Museum Wiesbaden. Stellvertretend für so manche Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen möchte ich heute Charlotte Brand diese Kolumne widmen. 80 Jahre ist sie in diesem Jahr geworden – und keiner mag es glauben.

Empfinden Sie auch so, liebe Freundinnen und Freunde des Museums Wiesbaden, dass Sie sich in diesen Tagen über jede persönliche Weihnachtskarte, jeden Weihnachtsbrief, der ganz altmodisch mit der Post kommt, besonders freuen? Ich finde es wunderbar und habe nun wieder meine Pinnwand völlig freigeräumt, um Platz für die Gruß-Schätze zu haben. Und wenn erst einmal diese Stimmung aufgekommen ist, ich mich an den Schreibtisch setze und sorgsam jede Karte für jeden mir lieben Adressaten auswähle, dann kommt immer wieder einmal der Gedanke an besonders sympathische Menschen, mit denen man gar nicht so eng verbunden ist, denen man aber gerne auch die besten Grüße aussprechen würde.

Zu diesen Menschen gehört auch eine Reihe von Mitgliedern unseres Förderkreises – solche, die ich schon länger kenne und eines Tages im Museum als Gleichgesinnte getroffen habe, solche, die ich über die Arbeit im Verein erst kennen- und schätzengelernt habe. Nein, nicht allen kann ich nun eine Karte schreiben. Aber lassen Sie mich auf diesem Weg einmal eine Dame grüßen, die im Frühjahr dieses zu Ende gehenden Jahres einen runden Geburtstag feierte, eine überzeugte Freundin des Museums, die sich ein Leben ohne ihre kreative, süße Arbeit und ihr vielseitiges ehrenamtliches Engagement gar nicht vorstellen kann.

Ist Ihnen schon einmal Charlotte Brand begegnet? Ihr Name und ihre Person sind aufs Engste mit der Chocolaterie Kunder verbunden. Zumindest jeder Wiesbadener, jede Wiesbadenerin kennt die Schokoladen-Manufaktur mit herrlichem Geschäft auf der Rue, wo Charlotte Brand jahrzehntelang die gute Seele und Kreativchefin war. 120-Jähriges konnte die Firma Fritz Kunder dieses Jahr übrigens feiern – ein Vorzeigebetrieb der Landeshauptstadt, einer in Familienhand. Und einer, der auch durch Jürgen Brand, den Geschäftsführer seit 2011 und Neffen von Charlotte Brand, eng mit unserem Museum verbunden ist.

Aber kommen wir zunächst zurück auf die aparte, stets gut gelaunt wirkende Geschäftsfrau, die nimmermüde, seit 2012 zwar nicht mehr mit weißer Rüschenschürze an der Wilhelmstraße, aber als Botschafterin und Handelsreisende für das „Süße im Leben“ unterwegs ist. Die 80-Jährige, der man ihr Alter nicht abnehmen mag, ist viermal die Woche als Außendienstlerin auf Fahrt, steuert das Nahetal und das Moseltal (auch meine Heimat Trier) an, bereist Hunsrück, Eifel und Westerwald. Und sorgt dafür, dass bei den Abnehmern der hochwertigen Kunder-Ware die Regale nicht leer werden. Sie schaut auch darauf, ob denn die Pralinees, „handmade in Wiesbaden“, wirklich gut zum jeweiligen Repertoire des besuchten Ladens passen. Schließlich brauchen besondere Leckereien auch ein besonderes Ambiente. Zur Weihnachtszeit, keine Frage, da steht Charlotte Brand auch für den Lieferdienst zur Verfügung. Ihr Credo: „Wir müssen doch unsere Kundschaft pflegen.“

Bevor die besonders hektische Zeit anbrach, hatte ich Gelegenheit, mit ihr einen Kaffee zu trinken und ein bisschen zu plaudern. Ganz schön findet es die Schoko-Spezialistin, dass sie sich heutzutage mehr Zeit fürs Museum nehmen, auch schon mal zu Ausstellungseröffnungen kommen kann. Dass ihr Neffe nun im Museum Wiesbaden Pralinen-Workshops anbietet, unter Anleitung eines erfahrenen Chocolatiers edle Sorten gefertigt und kunstvoll dekoriert werden, freut die Tante natürlich sehr. Zumal die Veranstaltungen bestens angenommen werden, so dass es am 12. Januar, 9. Februar und 23. Februar neue Termine gibt.

Ebenso liegen ihr die „Museumspralinen“ am Herzen. Sie, liebe Freundinnen und Freunde, haben vielleicht schon einmal welche erworben? So gibt es heute noch die Barock-Praline, die zur Ausstellung „Caravaggios Erben – Barock in Neapel“ kreiert wurde. Als Sonderauflagen werden immer wieder einmal die schöne Giulia, eine Tiramisu-Praline, und der Eisbär aus der Naturhistorischen Sammlung hergestellt. Stets im Repertoire ist die Jawlensky-Praline.  Wen wundert das angesichts der Wiesbadener Sammlung?

Der Eisbär, Hommage an die Ästhetik der Natur (Foto: Kunder)
Der Eisbär, Hommage an die Ästhetik der Natur (Foto: Kunder)

Nicht weiter verwunderlich, aber sehr erfreulich: Nun ist bereits Jugendstil-Praline in Planung – für den Tag, an dem die großartige Jugendstilsammlung des Mäzens Wolfgang Ferdinand Neess  im Museum Wiesbaden eröffnet wird. Das passiert im Juni 2019. „Wir sind mit dem Ehepaar Neess über die Pralinen-Gestaltung im Gespräch“,  sagt Charlotte Brand und arbeitet hier engagiert mit.

Hat sie Lieblingsbilder im Museum Wiesbaden? Gern sieht sie sich Ludwig Knaus, Genre- und Porträtmaler des 19. Jahrhunderts,  an – „unser Wiesbadener Künstler“, sagt sie. Ihm war 2014 die Ausstellung „Ein Lehrstück“ gewidmet. Keine Frage: Wenn Charlotte Brand, die während ihrer Zeit im Geschäft auch unzählige Promis beim Einkauf beraten hat,  in der Stadt unterwegs ist, trifft sie Bekannte zuhauf. Viele kennen sie als kreative Ehrenamtliche, etwa als Erfinderin des Kolonnaden-Lunch vor dem Staatstheater, eine Benefizveranstaltung, die bestens ankam. Ein klarer Fall auch, dass sie und Kunder mit von der Partie waren, als vor 15 Jahren die Wiesbaden Stiftung gegründet wurde. Erst kürzlich wurde sie erneut ins Kuratorium gewählt. Und so manches gute Stiftungsengagement hat Charlotte Brand begleitet, auch der Leonardo Schul Award ist ihr sehr ans Herz gewachsen. Nicht zu vergessen: Einst war die quirlige, schlanke Rue-Dame auch an der Entstehung des Theatriums beteiligt.

Was wünscht sich unsere Museums- und Stiftungsfreundin fürs neue Jahr. „Dass man so weiterarbeiten kann“, sagt sie schlicht, „dass im Familien- und Freundeskreis alles bleibt, wie es ist.“ Bei aller Beständigkeit ist aber davon auszugehen, dass Charlotte Brand bestimmt auch 2019 wieder gute Ideen haben und sie umsetzen wird. Wir freuen uns auf das nächste Treffen mit ihr im Museum – und anderswo …

Ingeborg Salm-Boost

P.S.
Übrigens: Wie ihr Neffe und Freund des Museums, Jürgen Brand, uns verrät, feiert Charlotte Brand 2019 ihr 55-jähriges Wirken in der Firma!

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