Auf Entdeckungstour (Teil 2)

Eine Premiere – noch ohne Besucher

Erstmals in einer Ausstellung zu sehen: „Vier Variationen“ von Alexej von Jawlensky. Sammlung Reinhard Ernst (Foto: Museum Wiesbaden/Bernd Fickert)

Auch der Wiesbadener Sammler und Bauherr des neben dem Museum Wiesbaden entstehenden Hauses für abstrakte Kunst, dem Museum Reinhard Ernst, gehört zu den privaten Leihgebern für „Lebensmenschen“. Ihm verdanken wir die „Vier Variationen“, auf die Kurator Roman Zieglgänsberger heute einstimmen will. Reinhard Ernst hat sie vor etwa zwei Jahren ersteigert und erfreut sich sonst privat an den Werken. Sie stammen aus dem Nachlass Werefkins und wurden 1938 an ihren Neffen Alexander von Werefkin vererbt. Schließlich kamen sie vorübergehend in den Besitz der Dichterin und Kunstsammlerin Gertrude Stein. Diese gab ihnen übrigens die Namen Frühling, Sommer Herbst und Winter. Roman Zieglgänsberger schreibt:


Bei der Auswahl der Exponate für die momentan leider noch geschlossene Ausstellung „Lebensmenschen“ kam es uns darauf an, Werke präsentieren zu können, die neben ihrer kunsthistorischen Bedeutung auch einen direkten biografischen Bezug zu Jawlensky und Werefkin haben. Die vier wunderbaren, zwischen 1916 und 1920 in der Schweiz geschaffenen „Variationen“ Jawlenskys aus der Sammlung Reinhard Ernst (in goldenen Rahmen) stammen beispielsweise aus dem Nachlass von Marianne von Werefkin. Dies beweist, dass die Malerin und Freundin auch nach der Trennung von Jawlensky im Jahr 1921 seine Werke bei sich behielt, weil sie ihn als Künstler sehr schätzte.

Auf dem Foto unten erkennt man rechts übrigens Marianne von Werefkins Gemälde „Gespensternacht“, das nicht nur gleichzeitig während ihrer gemeinsamen Jahre in der Schweiz entstand (1914–1921), sondern bei aller stilistischen und inhaltlichen Unterschiede auch eine große Nähe in der pastelligen Farbigkeit besitzt.

Darüber hinaus ist die Präsentation der „Variationen“ eine Besonderheit, wären wir ein Theater, würden wir stolz von einer Premiere sprechen: Die Bilder werden nämlich erstmals in einer Ausstellung öffentlich gezeigt. Wenn das allein nicht schon ein Grund ist, nach Wiedereröffnung ins Museum Wiesbaden zu kommen – wir freuen uns auf Sie!

Ihr
Roman Zieglgänsberger

Blick in die Ausstellung „Lebensmenschen“. Von links: Alexej von Jawlenskys „Vier Variationen“, 1916–1920, Sammlung Reinhard Ernst. In der Mitte eine weitere Variation von Jawlensky: „Herbstglanz“, 1915, Privatsammlung Marianne von Werefkin. Rechts Werefkins Bild „Gespensternacht“, 1919, Fondazione Marianne Werefkin, Museo Comunale d’Arte Moderna Ascona. (Foto: Museum Wiesbaden/Bernd Fickert)

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