Ein Jahr „Junge Freunde“

Mit „K.R.A.M.“ wird gefeiert

Es war im November 2022, da sprachen wir mit Professor Jörg Waldschütz von der Hochschule RheinMain darüber, wie junge Menschen für junge Menschen Ideen entwickeln, die das Museum Wiesbaden für sie zum Anziehungspunkt machen könnten. Interessante Konzepte wurden von den Studenten und Studentinnen der Fachrichtung Kommunikationsdesign entwickelt, Konzepte, die ihr Lehrmeister so beurteilte: „Alle drei wären es wert umgesetzt zu werden.“ Viel ist seither geschehen, das Museum ist längst ein Ort geworden, der für die Altersklasse 18 bis 30 von zunehmendem Interesse ist. Und:  Was von den Freunden des Museums Wiesbaden ein Herzenswunsch war, nämlich unter dem Dach des Fördervereins die „Jungen Freunde des Museums Wiesbaden“ zu gründen, das ist nun seit einem Jahr Realität. Und dies wird am 15. Oktober im Museum gefeiert.

Sind im Museum Wiesbaden angekommen: Alicia Scheld, Marie-Valerie Plichta und Matthias Merlin Taegener (Foto: Josh Schlasius)

Zeit für ein Treffen mit dem höchst aktiven Trio, das die „Jungen Freunde“ auf Erfolgskurs hält und sich über bereits mehr als 600 Follower freuen kann: Marie-Valerie Plichta, Alicia Scheld und Matthias Merlin Taegener.  Sie haben viele Ideen, sie stehen im engen Kontakt mit Klaus Niemann vom Freunde-Vorstand. Er ist Initiator des schon so erfolgreichen Projekts, versteht sich mittlerweile als „Pate“ mit permanentem Kontakt und koordiniert seit Anbeginn das gute Zusammenspiel mit Hochschulen und dem Förderkreis sowie dem Museum. Aber, das sei vorab gesagt, die „Jungen Freunde“ sprechen nicht ausschließlich Studierende – etwa auch von der Hochschule Fresenius oder der Musikakademie – mit spannenden Angeboten aus dem Museum an, sondern ebenso Berufsanfänger mit Interesse an der Kulturszene.

Den drei Akteuren ist wichtig zu betonen: „In der ersten Phase waren ja andere aktiv, wir sind das zweite Team.“ Es ist ein sehr engagiertes: Matthias Merlin Taegener (23) studiert im 7. Semester Kommunikationsdesign. Marie-Valerie Plichta (21) absolviert das 4. Semester im Fach Kommunikationsdesign, beide an der Hochschule RheinMain. Und Alicia Scheld (20) hat nach dem Fachabitur ein Freiwilliges Soziales auf Schloss Freudenberg absolviert, orientiert sich nun erst einmal in verschiedenen Jobs des Kultur- und Kunstbereichs.


Was ist Euer Credo fürs Angebot an die „Jungen Freunde des Museums“?

Matthias: Wir wollen Kunst und Kultur nicht nur begleiten, sondern mit Gleichgesinnten hautnah erleben.

Alicia: Wir bieten einen Raum, in dem sich jeder finden kann, einen Raum, den jeder braucht, aber oft weiß man nicht, wie man anfangen soll.

Marie-Valerie: Weil wir Kunst und Kultur wertschätzen, hoffen wir, das mit unseren Events weitergeben zu können.

Alicia Scheld stattet der „Dame mit Fächer“ von Alexej von Jawlensky einen Besuch ab. Im Museumsshop gibt es Notizhefte mit der Abbildung des Werks. (Foto: Josh Schlasius)

Alle sind sich einig: Nur anschauen, das genügt nicht …

Alicia: Da fehlt die Brücke. Durchs Miteinander kommt die Kunst an. Es gibt so viel Überflutung. Die persönliche Erfahrung spielt eine große Rolle.

Matthias: Das Haptische ist ganz wichtig!

Marie-Valerie: Heute haben junge Leute andere Erwartungen, nur eine App reicht nicht.

Was hört Ihr so unter Gleichaltrigen zum Museum?

Alicia: Es heißt oft: Da war ich noch nie drin. Deshalb bieten wir exklusive Führungen an, oder etwa Workshops.

Matthias: Das Interagieren  mit dem Museum ist von großer Bedeutung. Hier können wir jetzt auch schon auf einen Fotowettbewerb hinweisen, die Bilder werden dann im Museum ausgestellt. Das ist in Zusammenarbeit mit der Hochschule RheinMain ein digitaler Wettbewerb „Kunst und Kultur in Wiesbaden“. Am 28. März 2026 gibt es dazu eine öffentliche Veranstaltung. Übrigens, auch ganz wichtig ist die Kooperation mit dem Schlachthof, mit der Kreativfabrik.

Matthias Merlin Taegener wählt ein Bild aus der aktuellen Schau: „Bedrohte Stadt“ des Expressionisten Arnold Topp. Privatsammlung. (Foto: Josh Schlasius)

Und am 15. Oktober feiert Ihr Einjähriges mit einem „Ausstellungsabend der etwas anderen Art“, was habt Ihr denn geplant? Ihr ladet ein zu „K.R.A.M.“ …

Matthias: Das steht für „Kunst.Raum.Aktion.Musik“ – und das ist ja unsere Philosophie. Wir wollen eine bunte Mischung anbieten, vieles vereinen und eine gute Raumatmosphäre schaffen. Marie-Valerie: Wir möchten ein breites Publikum erreichen. Es wird viel Programm und einen interaktiven Raum geben.

Marie-Valerie Plichta zieht es zu Gerhard Richters Werk „Terese Andeszka“ (1964). (Foto: Museum Wiesbaden/Josh Schlasius)

Und Ihr wollt ja auch für eine Mitgliedschaft werben.

Alicia: Ja, wir wollen die Werbung für eine Mitgliedschaft vorantreiben, nach dem Motto: Wir mischen das Museum auf.

Was kostet es denn, Mitglied zu sein und das vielfältige Angebot zu nutzen?

25 Euro im Jahr.

Dafür gibt es ja eine Menge Programm, und es haben ja schon in der Anfangsphase tolle Events stattgefunden. Hier möchte ich auf Eure Internetseite und auf Instagram verweisen: www.junge-freunde-museum-wiesbaden.de. Schön wäre es, wenn jeder ein Beispiel nennt.

Matthias: Der Besuch im Atelier von Fotokünstler Frank Deubel war so ein Highlight. Er ließ uns in seiner Dunkelkammer selbst aktiv werden und Abzüge machen. Ich denke, Workshops sind besonders, wichtig, das haben wir schon bemerkt – ganz, ganz groß.

Alicia: Ja, Workshops sind sehr wichtig und man könnte, wie in einem Seminar, mehrere aufeinander folgen lassen, nach dem Motto: gemeinsam aktiv sein und was Eigenes schaffen. Beispielsweise eine Figur, ein Talisman … Vielleicht auch in Verbindung mit einer Ausstellung im Museum.

Marie-Valerie: Von Bedeutung und gefragt sind nicht zuletzt auch die Besuche in Agenturen, die kreative Arbeit dort kennenzulernen. Wir waren schon in der Kreativagentur Q und gehen zu Kraft + Adel. Und ebenso interessant ist die schon hergestellte Verbindung zur Kunsthochschule Mainz, damit haben wir die Brücke über den Rhein betreten.

Und noch ein Abstecher in die Sammlung Neess, zu „La Nature“ von Alfons Mucha. (Foto: Josh Schlasius)

Jetzt müsst Ihr mir aber bitte noch etwas mehr über Euch selbst verraten, und vielleicht noch sagen, welches Museum Ihr denn außer unserem besonders schätzt. Fangen wir mit Dir, Matthias, an, dem Mann, der gerne Krawatten trägt … Bist Du auch in Deiner Heimat Bonn schon mit Museen in Berührung gekommen?

Matthias: Nein, als Schüler hatte ich keinen Bezug zu Museen, dafür habe ich aber heute großes Interesse an Museen. Das Städel mag ich besonders gern. Im Museum Wiesbaden zieht mich auch die Naturabteilung sehr an. Für die Jungen Freunde habe ich die Website neugestaltet, kümmere mich um den E-Mail-Verkehr. Ein Praktikum habe ich bei der Agentur 99 Grad gemacht.  Dort werde ich nun auch Werkstudent. Ich mache gerne Videos.

Marie-Valerie, wie sieht’s bei Dir aus?

Für mich war Kunst immer schon weit oben, auch durchs Elternhaus. In Aschaffenburg, wo ich herkomme, ist ja das Christian-Schad-Museum immer einen Besuch wert. Sehr gut gefällt mir auch die Kunsthalle in Hamburg. Tanz und Musik sind mir wichtig. Und für Licht-Technik und Film interessiere ich mich sehr. Habe auch mal Kunstgeschichte studiert. Bin noch sehr frei, wohin die Reise beruflich geht.

Alicia, Du bist die Jüngste im Trio …

Bin noch auf der Suche, ich habe ja nach dem Abi ja ein Soziales Jahr gemacht. Bin in Portugal geboren und habe früher in Brasilien gelebt, bin seit 2013 hier. Ich singe sehr gern und liebe es, Bühnenbilder zu konzipieren. Die Nähe zur bildenden Kunst kommt auch durch meine Mutter Patricia Sant’Ana Scheld. Sie schafft selbst Kunst und sie ist im Museum Wiesbaden Koordinatorin im Bildungsbereich für den Jugendkunstklub. Ich war auch bei den „Museumsguides“ aktiv. Ein Museum, das ich besonders mag, ist das Serralves in Porto.

Vielen Dank fürs Gespräch und im Namen des Fördervereins wünsche ich Euch einen tollen Geburtstagsabend!

Ingeborg Salm-Boost


PS: Es hat viel Freude gemacht, das Gespräch mit den drei „Jungen Freunden“. Ebenso viel Freude hat die Fotosession gemacht, mit Fotograf Josh Schlasius waren wir im Museum unterwegs. Marie-Valerie, Alicia und Matthias hatten sich zuvor überlegt, wo sie denn abgelichtet werden wollen. So besuchten wir Gerhard Richter, Arnold Topp (in der aktuellen Schau) sowie Alexej von Jawlensky. Und zum Schluss gab es noch einen Abstecher in den Jugendstil …

Das freute die drei Aktiven: Sie waren zum Hessischen Ehrenamtsfest im und am Biebricher Schloss eingeladen. Eine Würdigung ihres Engagements. (Foto: privat )

 

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