Fördermitglieder ermöglichen Ankäufe fürs Museum
Ein Jahr Oktogon Circle
„Kultur lebt nicht allein von Institutionen oder staatlicher Förderung. Sie lebt von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“: Hessens Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Timon Gremmels, trifft bei der festlichen Feier zum einjährigen Bestehen des Oktogon Circle den Nagel auf den Kopf. Die Mitglieder des Oktogon Circle der Freunde des Museums Wiesbaden – eine Fördergemeinschaft, wie zahlreiche Museen sie seit langem haben, um die Arbeit „ihres“ Museums beim Ankauf von Kunstwerken noch besser unterstützen zu können – spenden großzügig. Ob Privatperson, Institution oder Unternehmen – ihnen allen ist ein Anliegen, das Spektrum der gezeigten Kunst im Museum Wiesbaden, das über keinen eigenen Etat für Ankäufe verfügt, zu erweitern. Und das ist dem Circle im ersten Jahr seines Bestehens gelungen: 120.000 Euro kamen zusammen, die den Erwerb von vier neuen Werken ermöglichten.

Doch bevor sich die in vier Gruppen aufgeteilten Circle-Mitglieder zum Speed-Dating mit den Kuratoren begeben und die neuen Werke begutachten, erklingen „Bravo“-Rufe für Dr. Gerd Eckelmann, den Vorsitzenden des Vereins der Freunde des Museums und Förderer: Minister Gremmels verleiht ihm, der den Verein 1994 mitgegründet hat und seitdem dessen Vorsitzender ist, die Ehrenurkunde des Landes Hessen für Kunst und Kultur.

Unter Eckelmanns Leitung, so die Minister, seien die Freunde zu einem der „wirkungsstärksten Kulturfördervereine Hessens“ avanciert, der Ausstellungen und bedeutende Kunstankäufe ermögliche und die museumspädagogische Arbeit mitaufgebaut habe. Auch der kostenfreie Museums-Samstag geht auf Initiative der Freunde des Museums zurück, die in diesem Jahr 2025 insgesamt 16 Förderprojekte unterstützt haben. Anhaltender herzlicher Applaus für den „verlässlichen, konstruktiven und unersetzlichen Partner“ Gerd Eckelmann, der den Preis in Begleitung von Ehefrau Dorle entgegennimmt.

Mit dem Geehrten strahlen Museumsdirektor Dr. Andreas Henning und die vier Kuratoren Valerie Ucke (Modernde/Gegenwartkunst), Dr. Jörg Daur (Moderne/Gegenwart), Dr. Roman Zieglgänsberger (Klassische Moderne) und Dr. Peter Forster (Alte Meister/Jugendstil) um die Wette. Die Wunschliste des Museums betreffe natürlich „eine ganze Reihe an Sammlungslücken“, verrät Henning am Rande, doch die für jeden Sammlungsbereich ausgewählten Ankäufe „seien bereits substanzielle Bereicherungen für unsere Kunstsammlung“. Dem stimmen die Circle-Mitglieder nur allzu gerne zu, die in kleinen Gruppen die Gelegenheit haben, sich mit den Kuratoren auszutauschen und Näheres zu den mit ihrer finanziellen Unterstützung erworbenen Werken zu erfahren.

So stellt Valerie Ucke eine unbetitelte Collage der US-amerikanischen Künstlerin Louise Nevelson vor, Jörg Daur erläutert Hintergründe zum dreiteiligen Werk „Street Art Variation“ von Joanna Pousette-Dart (das im Jahr 2019 als Cover des Museums-Ausstellungskatalogs diente), Peter Forster schwärmt begeistert vom Werk des Künstlers Sven Drühl, das als „zeitgenössischer Reflexionspunkt“ bei den Alten Meistern (samt einem weiteren von Drühl geschenkten Werk) im zweiten Stockwerk des Museums zu bewundern ist, und Zieglgänsberger stellt den Mitgliedern die „Pfingstrosen“ von Maria Franck-Marc vor: Ein Gemälde, das bei der für den Oktober 2026 geplanten Highlight-Ausstellung „Die Blauen Reiterinnen“ des Museums Wiesbaden eine bedeutende Rolle spielen wird.

Pech für Gerd Eckelmann, den eine spontane Zuneigung zu dem farbenstarken Gemälde erfasst hat: Es wird nicht in der heimischen Küche hängen, sondern bei der „Weltpremiere“ (Henning) der „Blauen Reiterinnen“ glänzen, die in dieser Form erstmals präsentiert werden. Und anschließend gemeinsam mit den Werken der anderen „Blauen Reiterinnen“ auf Ausstellungstour gehen. Versteht sich von selbst, dass es für die Mitglieder des Oktogon Circle eine exklusive Preview der Ausstellung geben wird, für die bereits heute Führungen gebucht sind. Und ebenso selbstverständlich ist es, dass bei der Präsentation der Neuerwerbungen im Museum mit kleinen Schildchen auf das Engagement des Oktogon Circle hingewiesen wird.

Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, die Kunst- und Kulturminister Timo Gremmels dem Freunde-Gründer und -Vorsitzenden Gerd Eckelmann bescheinigt und gewürdigt hat, zeichnet nach den Worten von Museumsdirektor Andreas Henning auch andere Menschen aus: nämlich das vierköpfige Team, das den Oktogon Circle mit viel ehrenamtlichen Engagement „entwickelt, inspiriert und realisiert“ habe. Es sind dies die mit ebenfalls herzlichem Applaus gewürdigten Freunde-Mitglieder Cornelia Alexander und Friedrike Kernebeck, Annette Jentsch, Mitglied des Kuratoriums der Freunde, und Freunde-Geschäftsführerin Martina Mulcahy. Die Geschäftsführerin ist es auch, die allen Interessenten – ob Privatperson, Institution oder Unternehmen – über die Oktogon-Circle-Fördermitgliedschaft unter der Anschrift m.mulcahy@freunde-museum-wiesbaden.de zur Verfügung steht.

„Beflügelt“ von der Spendenbereitschaft des Oktogon Circle und der wunderbaren Ankäufe wird es schließlich Zeit zu anregend-vertiefenden Gesprächen mit Mitgliedern und Kuratoren an einer herbstlich eindeckten Tafel in der Wandelhalle. Es ist ein langer, interessanter Abend, der mit herzlichem Dank an die Organisatorinnen und Vorfreude aufs nächste Jahrestreffen 2026 ausklingt. Die Fördermitglieder sind restlos begeistert darüber, das Ergebnis ihrer Spendenbereitschaft gesehen und die Kuratoren kennengelernt zu haben. Und freuen sich darauf, wenn andere ihrem Beispiel folgen – ganz im Sinne des bürgerschaftlichen Engagements zugunsten der Kunst und Kultur.
Christina Oxfort