Fotowettbewerb der Jungen Freunde

Da lohnt sich sehr der zweite Blick ...

(Die fünf Preisträgerfotos finden Sie am Ende dieses Artikels.)

Begrüßt die Preisträger und Gäste: Marie-Valerie Plichta, die mit Matthias Taegener das Junge Freunde-Projekt erfolgreich stemmte.

Wieso finde ich die Taube mitten in der City, die mich neugierig anblickt, denn liebenswert? Was sehe ich da für ein seltsames Bild mit dem Schriftzug Staatstheater, was ist dies denn für eine Perspektive? Die junge Frau auf dem Boden eines Ausstellungsraums im Kunsthaus – was will sie mir sagen, warum möchte ich gern mit ihr kommunizieren? Finde ich nun die sechs Kameras eher beängstigend oder beruhigend? Und warum zieht mich das schneebedeckte Opelbad magisch an?

Noch sind sie verhüllt, die fünf prämierten Fotokunstwerke. Im Hintergrund Goethe und die Marktkirche, Hingucker, die in der Kampagne für den Wettbewerb eine Rolle spielten. Das erläutert Professor Jörg Waldschütz von der Hochschule RheinMain.

„Ich sehe was, was du nicht siehst.“ Der Titel passt, wie kein anderer hätte passen können. Denn in der Tat kommt es auf den zweiten Blick an. Nach „K.R.A.M.“, der im Herbst 2025 gelungenen Fete zum einjährigen Bestehen der Jungen Freunde des Museums im Haus der Kunst und Natur, ist ihnen nun ein zweites bemerkenswertes Projekt gelungen, ein Projekt, das durch Kreativität und Qualität der eingereichten Arbeiten besticht. Dies haben die Laudatoren bei der Preisverleihung – natürlich im Museum – sehr dezidiert dargelegt (siehe weiter unten auf dieser Seite).

Ein Mann für alle Fälle: Matthias Taegener kümmert sich auch um die Technik im Vortragssaal des Museums.

Mit großem Elan und langem Atmen sind die zwei JuMuWi-Aktiven Marie-Valerie Plichta und Matthias Taegener das Thema angegangen. Klar, sie hatten an ihrer Seite Freunde-Vorstandsmitglied Klaus Niemann, der als Pate ständig mit den Jungen Freunden im Gespräch und beratend an ihrer Seite ist. Verlässliche Partner waren auch Professor Jörg Waldschütz von der Hochschule RheinMain und sein Kollege Klaus Eckert, die mit Studierenden aus dem Studiengang Kommunikationsdesign dafür Sorge trugen, dass es eine aussagekräftige Kampagne für den Wettbewerb gab.

Freuen sich über den Erfolg des Wettbewerbs: Marie-Valerie und Freunde-Vorstandsmitglied Klaus Niemann im Gespräch.

Die Hochschule RheinMain ist seit Anbeginn eine verlässliche Begleiterin der Jungen Freunden, diesmal wirkte auch Professorin Betty Schimmelpfennig in der Jury mit, ebenso wie Marie-Valerie und Matthias. Und natürlich liegt den Museumsaktiven und dem Förderkreis das Engagement der Jungen Freunde besonders am Herzen, Unterstützung und Begleitung ist also gewiss. Doch den Hut für das Gesamtprojekt, den hatte das Duo auf, und war sich dessen stets bewusst.

„Opelbad im Schneechaos“: Eine spannende Laudatio zum Siegerbild von Ella Thomann (rechts im Bild) hält Juror Thilo von Debschitz.

Zurück zum Motto des Wettbewerbs:  Es sollte rund um Kunst und Kultur in Wiesbaden gehen, die Frage beantwortet werden: „Was entdeckst du in Wiesbaden, das andere übersehen? Zeig uns deinen Blick auf Kunst und Kultur in Wiesbaden – vielleicht etwas Bekanntes, vielleicht etwas Verstecktes“, dazu forderten Marie-Valerie und Matthias junge Leute im Alter von 18 bis 30 Jahren auf. Und dies galt es effektiv zu bewerben. Crossmedial – neue Medien, aber ebenso Plakate in der Innenstadt, eine Werbung, die sich am Corporate Design der JuMuWi orientiert, das waren Vorgaben für die Studierenden. Klar, erst die Zielgruppe definieren, als nächsten Schritt die Namensentwicklung, dann Kampagnenideen, schließlich die genaue Planung und die Ausführung – es gab eine Reihe von Entwürfen, am Ende lag es am Auftraggeber, nämlich an dem Duo Marie-Valerie/Matthias, die Auswahl zu treffen, so unterstreicht Professor Waldschütz. Ganz offensichtlich kam die Werbung gut an, machte u. a. der in der Kampagne der „eingefärbte“ Goethe vor dem Museum neugierig und Lust aufs Mitmachen – aber sicher ebenso die Aussicht auf die von Exina gestifteten Geldpreise als Anerkennung in Höhe von 400, 250 und 150 Euro für die Plätze eins bis drei. Ebenso anziehend dürfte die Möglichkeit gewesen sein, die Arbeiten in der Alten Bibliothek des Museums bis zum 24. April präsentieren zu dürfen.

Haben Spaß beim anschließenden Empfang: rechts Preisträger Christian Kretschmer, links der Bruder der Gewinnerin.

„Ist es nicht faszinierend, wie sich junge Menschen engagieren – gerade in Zeiten wie diesen? Und wie sie hinter der Linse ihren persönlichen Blick auf die heutige Zeit werfen?“ – so sprach Projektbegleiter Klaus Niemann sicher vielen aus der Seele, die zur Preisverleihung gekommen waren. Sein Dank im Namen unseres Vereins galt nicht zuletzt Viktoria Gheczy (Geschäftsführung Exina) und Arno Goßmann (Vorstandsvorsitzender Exina) für die bereits zweimalige Unterstützung der Jungen Freunde.

Gute Stimmung bei der Preisverleihung: Unser Bild zeigt Preisträger und Preisträgerin, UnterstützerInnen und OrganisatorInnen des Projekts der Jungen Freunde. (Fotos der Veranstaltung: Josh Schlasius)

Klaus Niemann erinnerte daran, dass bei Gründung der Jungen Freunde drei Botschaften formuliert wurden: Kultur-Update für Wiesbaden, Kunst braucht Förderung, Begeisterung junger Menschen für Kunst und Kultur. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Und sicher folgt dem Fotowettbewerb bald ein nächster Coup der Jungen Freunde …

Ingeborg Salm-Boost


„Opelbad im Schneechaos“ (1. Platz, 400 €) von Ella Thomann

Auszug aus der Laudatio von Thilo von Debschitz, Geschäftsführer der Wiesbadener Kreativagentur Q:

Das Motiv des verlassenen Opelbades im Winter erzeugt eine paradoxe Situation, denn hier auf dem Berg heißt es normalerweise „Sehen und gesehen werden“. Ein Freibad, das mit Bewegung, Körperlichkeit und Sommer verbunden ist, erscheint funktionslos. Die Zeitlichkeit ist umgekehrt, der Winter raubt dem Schwimmbad seine Funktion. Die Abwesenheit von Menschen verstärkt eine Atmosphäre der Melancholie. Ein Ort der Bewegung wird zu einem Ort der Stille, einem Ort der Poesie.
Der Eintritt in das Opelbad ist obszön teuer – wenn man hier schwimmen wil, muss man 12 Euro berappen. Studierende zahlen immerhin auch noch acht Euro. Alle anderen Wiesbadener Schwimmbäder kosten weniger als die Hälfte. Aber man zahlt hier natürlich auch den Blick auf unsere Stadt. Den kann sich die Preisträgerin mit dem Preisgeld in Höhe von 400 Euro nun fünfzigmal leisten. Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Wettbewerbs!


„Panopticon“ (2. Platz, 250 €) von Christian Kretschmer

Auszug aus der Laudatio von Bettina Löwen, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Wiesbaden:

Die Jury überzeugte an „Panopticon“ vor allem die Verbindung aus klarer, fast skulpturaler Bildkomposition und einer starken inhaltlichen Aussage. Der „Kamerabaum“ wird zum Symbol allgegenwärtiger Beobachtung und macht das Spannungsfeld zwischen Schutz und Überwachung sichtbar, ohne es aufzulösen. Dabei bleibt er nicht bloß Objekt der Betrachtung: Die Kameras scheinen selbst zu sehen und verweisen auf eine Perspektive, die unserem eigenen Blick oft entgeht. Die Arbeit gibt keine eindeutigen Antworten, sondern lebt von ihrer Offenheit – sie lädt dazu ein, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen und sich mit dem fragilen Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Freiheit im öffentlichen Raum auseinanderzusetzen.


„whyAreyouCreative“ (3. Platz, 150 €) von Micha Reinke

Auszug aus der Laudatio von Frank Deubel, Fotokünstler und Gründer der Fototage Wiesbaden:

Die Arbeit von Micha Reinke ist als einzige Einsendung des Wettbewerbs inszeniert: Als Ort wurde die Wiesbadener Kunsthalle auf dem Schulberg gewählt. Das Modell im Vordergrund platziert, dominiert den Raum. Auffällig ist, dass sich die formale Komposition in zahlreiche Dreiecke aufgliedern lässt, wobei die Raumelemente vom Körper wieder aufgenommen werden. Der gewählte Teil des Raums ist zugleich der Kraftort des gesamten Raumes. Die genaue Blickrichtung des Modells bleibt rätselhaft, sie scheint trotz des betont intensiven Blicks eher verträumt. Die Inszenierung zieht uns, so scheint es, in einen eher privaten Raum der Akteurin hinein.


„Kultur zu Füßen“ (4. Platz) von Amélie Lutz

Auszug aus der Laudatio von Prof. Jörg Waldschütz:

Warum hat uns das Bild so gut gefallen und erfüllt das Thema des Wettbewerbs? Das wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Uns ins dieses Bild besonders ins Auge gefallen, weil aus einer alltäglichen, beinahe unscheinbaren Regenszene ein überraschend starkes Motiv entsteht. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man in der Pfütze den Schriftzug des Wiesbadener Staatstheaters – und zugleich irritiert die auf den Kopf gestellte Perspektive, die dem Bild eine besondere Spannung und stille Ausgewogenheit verleiht. Gerade dieses Spiel mit Wahrnehmung und Entdeckung macht das Foto so überzeugend.


„Taube“ (5. Platz) von Moritz Wolf

Auszug aus der Laudatio von Marie-Valerie Plichta:

Das Bild von der Taube, die nicht nur auf einem Geländer posiert, sondern sich scheinbar im perfekten Moment zentral im Bild positioniert und selbst zum Zentrum wird, fasziniert. Wiesbaden wird in dieser Fotografie zum Schauplatz, zur Kulisse, zum Kostüm des Vogels. Der sitzt dort so unscheinbar, dass es fast magisch ist. Dieses Werk überschreitet Altersgrenzen, auch wenn es von der Komposition eher klassisch anmutet, so ist es doch wieder ein komplett modernes Werk und vor allem zeitlos. So trifft es auch das Thema „Ich sehe was, was du nicht siehst“ auf den Punkt. Wer sieht so ein Motiv aktiv? Es macht einen scharfen Blick aus, im richtigen Moment nicht nur hinzuschauen, sondern auch abzudrücken. Das ist genau das, was die meisten normalerweise übersehen. Es ist ein großartiges Werk, das ausgezeichnet gehört.

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