Internationaler Flötenwettbewerb
Musiktalente aus 27 Ländern lassen Jugendstil „erklingen“
Nicht irgendeine Musik, nein: Klänge aus der Zeit des Jugendstils und Symbolismus werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Internationalen Flötenwettbewerb der Neess-Stiftung ihren Instrumenten entlocken. Wie schon vor zwei Jahren haben wir im Vorfeld mit Professorin Cordula Hacke, Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied der Stiftung sowie Organisatorin und Jurorin des Wettbewerbs über diesen Event gesprochen, der unsere Stadt bereichert.
Cordula, zum dritten Mal können wir uns in Wiesbaden über den Internationalen Flötenwettbewerb für junge Musiktalente freuen. Wie viele Anmeldungen aus wie vielen Ländern sind denn bei der Neess-Stiftung eingegangen?
Das Interesse bei der dritten Ausgabe unseres Wettbewerbs ist noch einmal enorm angestiegen. Wir haben rund einhundert Bewerbungen aus aller Welt, genauer gesagt aus 27 Ländern, das sind noch einmal zwanzig Prozent mehr als beim letzten Mal. Man kann schon jetzt sagen, dass sich der Wettbewerb international etabliert hat und Musikerinnen und Musiker aus vielen verschiedenen Ländern anzieht. Das freut uns natürlich sehr und bestärkt uns in unseren Bemühungen!
Das hätte den Namensgeber Ferdinand Wolfgang Neess sicher sehr gefreut. Bitte ein paar Worte zu unserem Jugendstil-Mäzen, der ja selbst bis ins hohe Alter auch ein leidenschaftlicher Flötist war!
Ja, das hätte auch ihn sehr gefreut und auch stolz gemacht! Ferdinand Wolfgang Neess war nicht nur einer der bedeutendsten Sammler von Jugendstilkunst in Deutschland, sondern auch – wie sich ja sicher inzwischen herumgesprochen hat – selbst begeisterter Flötist. Musik und bildende Kunst gehörten für ihn untrennbar zusammen. Seine einzigartige Sammlung im Museum Wiesbaden und seine Leidenschaft für die Musik um 1900 bilden die Grundlage für die Idee dieses Wettbewerbs. Es geht uns darum, genau diesen Dialog zwischen Kunst, Jugendstil und Musik lebendig zu halten und weiterzuführen.

Es ist nun die Stiftung Internationaler Musikwettbewerb Ferdinand W. Neess, die mehrere Tage lang unser Museum auch zum Konzerthaus macht. Gibt es Änderungen oder Neuerungen im Procedere? Welche Bedingungen hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu erfüllen?
Teilnahmeberechtigt sind Flötistinnen und Flötisten ab 18 Jahren. Ein Höchstalter haben wir im Gegensatz zu anderen Wettbewerben nicht.
Die Bewerbung erfolgt über ein offizielles Anmeldeverfahren mit Bewerbungsunterlagen und Wettbewerbsgebühr. Auch anders als bei den meisten großen Wettbewerben machen wir keine Vorrunde mit Video- oder Audioverfahren. Alle spielen in der ersten Runde live vor. So haben auch alle die Gelegenheit, die wunderbare Jugendstilsammlung zu besuchen.
Es gibt diesmal auch noch besondere Musik-Events?
Ja, eine Neuerung 2026 ist unter anderem ein „Special Event“ am Freitagnachmittag (26. Juni zwischen 15 und 16.30 Uhr), bei dem einige Kandidatinnen und Kandidaten, die die Finalrunde nicht erreichen, ihre Solostücke in der Ausstellung spielen werden. Außerdem findet erstmals ein öffentliches Preisträgerkonzert statt: am Samstag, 27. Juni um 19 Uhr im Vortragssaal des Museums. Alle Events können kostenfrei besucht werden!
Über welche Preisgelder können sich die GewinnerInnen freuen?
Der erste Preis ist mit 5.000 Euro, der zweite mit 3.000 Euro und der dritte mit 2.000 Euro dotiert. Darüber hinaus können Sonderpreise vergeben werden. Dies alles wird finanziert durch die Stiftung, die von Danielle Neess so großzügig eingerichtet wurde.
Sag bitte kurz etwas zu den Durchgängen. Sie bestehen aus Pflichtprogramm und einem Stück der eigenen Wahl, immer verbunden mit dem Jugendstil und Symbolismus?
Der Wettbewerb ist in drei Runden gegliedert. In den ersten beiden Durchgängen stehen festgelegte Werke der Musik um 1900 auf dem Programm. Im Finale gestalten die Kandidatinnen und Kandidaten ein etwa 45-minütiges Konzertprogramm eigener Wahl. Dabei sollen sie eine persönliche künstlerische Idee entwickeln, die sich mit Musik um 1900, Jugendstil und Symbolismus auseinandersetzt. Kreativität und Programmkonzeption fließen ausdrücklich in die Bewertung ein. Auch dies ist eine Besonderheit unseres Wettbewerbs und findet sich nach meinem Wissen bei keinem anderen Musikwettbewerb.
Wie war das bei den ersten beiden Wettbewerben? Hatten die jungen Leute eigentlich auch Zeit und Muße, die Sammlung von Ferdinand Wolfgang Neess – ergänzt durch Schenkungen von Danielle Neess – anzusehen?
Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten, wie inspirierend die Begegnung mit der Jugendstil-Sammlung für ihre Programmgestaltung und ihre Interpretation war. Das Museum ist in diesem Fall nicht nur Wettbewerbsort, sondern Teil des künstlerischen Konzepts. Die Verbindung von Musik und bildender Kunst wird von den jungen Musikerinnen und Musikern als außergewöhnliche Erfahrung wahrgenommen. Das kann man auch an den kurzen Statements sehen, um die ich alle gebeten hatte und die gemeinsam mit den Fotos der Kandidatinnen und Kandidaten auf unserer Webseite hier zu sehen und zu lesen sind.

Du hast auch wieder hochkarätige Mitglieder für die Jury gewinnen können.
Wir sind sehr glücklich über die internationale Besetzung der Jury. Die Jurorinnen und Juroren vereinen Solistenkarrieren, Orchestererfahrung und pädagogische Spitzenkompetenz. Sie sind mir durch Konzerte, Meisterkurse, Hochschulaustausch etc. zumeist persönlich bekannt und verbunden. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bedeutet das nicht nur eine faire Bewertung, sondern auch wertvolle Impulse für ihre weitere künstlerische Entwicklung.
Sicher freuen sich die erfolgreichen TeilnehmerInnen, wenn das erstmalig gebotene Abschlusskonzert gut besucht wird …
Ja. Das Preisträgerkonzert findet am Samstagabend nach der Preisverleihung statt und ist ebenso wie sämtliche Wettbewerbsrunden bei freiem Eintritt zugänglich. Damit möchten wir möglichst vielen Menschen die Gelegenheit geben, die ausgezeichneten jungen Künstlerinnen und Künstler zu erleben.
Welche Einrichtungen in unserer Stadt unterstützen Euch bei diesem Wiesbaden bereichernden Event?
Ein ganz wichtiger Partner ist das Museum Wiesbaden, das diesem besonderen Konzept einen idealen Rahmen bietet und uns in allem wahnsinnig unterstützt. Dafür einen Riesendank!
Darüber hinaus arbeiten wir mit weiteren kulturellen und musikalischen Einrichtungen zusammen, etwa bei Probenmöglichkeiten und organisatorischen Abläufen. Zum Beispiel ermöglichen uns das Kulturamt Wiesbaden und die Wiesbadener Musikakademie freie Proben- und Überäume, was ganz, ganz wichtig ist und auch den Planerinnen und Planern der Akademie sehr viel Einsatz abverlangt. Das Kulturamt unterstützt uns auch in Sachen Werbung. Ihr, die Freunde des Museums habt uns von Anfang an auch so tatkräftig unterstützt und unter anderem jedes Mal den Eröffnungsempfang ausgerichtet. Auch dafür einen Riesendank! Die Freunde Junger Musiker in Mainz-Wiesbaden haben uns geholfen, PreisträgerInnen Konzerte auch im Umland zu organisieren.
Hast du noch einen Wunsch für die Zukunft?
Für die Zukunft wünschen wir uns vor allem, dass noch mehr Menschen aus Wiesbaden und der Region dieses einzigartige Zusammenspiel von Kunst und Musik entdecken und unterstützen. Und dass wir zusätzlich finanziell potente Sponsoren finden werden, die uns helfen können, die enormen Kosten zu stemmen.
Zum Schluss ein Blick auf „Klang Nouveau“. Werden wir diese wunderbare Konzertreihe nächstes Jahr wieder erleben?
Davon gehen wir aus. Die Konzertreihe ist ein wichtiger Bestandteil der Stiftungsarbeit. Sie verbindet die Musik der Jahrhundertwende mit der Jugendstil-Sammlung im Museum Wiesbaden und ergänzt den Wettbewerb ideal. Die Stiftung plant, die Reihe langfristig fortzuführen, weiterzuentwickeln und nicht nur in der Region, sondern auch international zu verankern.
Das Gespräch führte Ingeborg Salm-Boost
Es freut mich sehr, dass der Internationale Flötenwettbewerb ein so großes Echo findet. Mein Wunsch ist, dass wir ihn auf diesem Niveau weiterführen können, mit der Ferdinand W. Neess Stiftung und mit Unterstützern, die diese besondere Verbindung zwischen Jugendstilkunst und der Musik aus dieser Zeit zu schätzen wissen.
Danielle Neess