Interview zum „Klingenden Museum“

„Es macht so viel Freude, hier spielen zu dürfen …“

Mit dem „Klingenden Museum“ laden die Museumsfreunde dank der Initiative ihres Mitglieds Frank-Peter Martin immer wieder zu einem musikalischen Highlight ein, das mächtig anzieht. 


Frank-Peter, du hattest die Idee für das „Klingende Museum“, eine immer wiederkehrende Freude an Sonntag-Vormittagen. Du selbst – passionierter Musiker und im Kuratorium unseres Förderkreises aktiv – wie bist du dieses Projekt angegangen?

Die Idee entstand eigentlich aus zwei Leidenschaften: Musik und Kunst. Ich habe selbst Orchestermusik studiert und weiß, wie wichtig inspirierende Orte für Musik sind. Museen sind Orte der Begegnung mit Kunst – und ich fand den Gedanken sehr reizvoll, diesen Raum auch für Musik zu öffnen. Er soll genau das verbinden: museale Kunst und lebendige Musik. Gleichzeitig wollten wir jungen, auch freischaffenden Musikerinnen und Musikern einen anspruchsvollen Spielort bieten – und dem Publikum die Möglichkeit, großartige Musik ganz unprätentiös und sehr direkt zu erleben. Der freie Eintritt ist dabei bewusst gewählt. Musik soll für alle zugänglich sein.

Der Initiator des „Klingenden Museums“, Frank-Peter Martin (rechts), zusammen mit Marc Schmiedhäuser, Musiker und Instrumentenbauer, der das Programm mitgestaltet. (Foto: Josh Schlasius)

Und dann kam Sinfonietta Mainz ins Spiel – das hat ja schon einen wunderbaren Klang. Bitte erzähle uns etwas darüber.

Sinfonietta ist ein Orchester, das seit mehr als 50 Jahren ein fester Bestandteil der Musikkultur im Rhein-Main-Gebiet darstellt. Daraus ergeben sich auch verschiedene Formationen – vom Kammerensemble bis zum größeren Orchester.

Und hier spielen Profis ebenso wie Laien?

Viele von ihnen sind engagierte Laien auf hohem musikalischen Niveau oder professionell ausgebildete Musiker, angestellte Musiklehrer und Musiklehrerinnen, ebenso Freischaffende auf sehr hohem Level. Uns verbindet vor allem musikalische Leidenschaft, die Freude an anspruchsvoller Musik und an anspruchsvollen Programmen. Professionelles Niveau sowie passionierte und gefühlvolle Interpretation zeichnen uns als Orchester aus – so das Feedback vieler unserer treuen Zuhörer. Im April beispielsweise spielen wir im Kurfürstlichen Schloss in Mainz von Robert Schumann das Konzert für vier Hörner und von Gustav Mahler die Sinfonie Nr. 5. Im vorherigen Frühjahrskonzert haben wir die Symphonie fantastique von Hector Berlioz gespielt. Das sind alles sehr anspruchsvolle Werke.

Zurück ins Museum Wiesbaden: Hast du deine Kollegen und Kolleginnen gleich für diese kostenlosen Konzerte in Wiesbaden begeistern können?

Ja, absolut. Viele Musikerinnen und Musiker fanden die Idee sofort spannend: ein besonderer Ort, ein interessiertes Publikum und eine konzentrierte Matinee-Atmosphäre. Für Künstler ist es immer schön, wenn Musik in einem Kontext erklingen kann, der über den klassischen Konzertsaal hinausgeht. Und Kammermusik ist die Königsdisziplin.

Freute sich über das große Interesse am „Klingenden Museum“ und begrüßte die Gäste: Vorstandsmitglied Christine Kolb. (Foto: Josh Schlasius)

Und dann musstest du Gespräche mit Museum und Museumsverein führen …

Genau. Ohne die Offenheit der Museums-Direktion und den Aktiven der Freunde des Museums wäre das Projekt natürlich nicht möglich gewesen. Die Gespräche waren von Anfang an sehr konstruktiv. Es gab schnell ein gemeinsames Verständnis dafür, dass hier eine Win-Win-Situation entstehen kann: Musik bereichert das Museum – das Museum und der Förderkreis als Veranstalter bieten der Musik einen außergewöhnlichen Rahmen. Kunst und Musik im Einklang, sozusagen.

Jetzt wollen wir aber wissen: In welcher Formation spielst du und welches Instrument? Und wie passt dieses Hobby zu deinem sicher anstrengenden Berufsleben als Investment-Experte?

Ich spiele Posaune und bin vor daher in der lauteren Fraktion des Orchesters aktiv – häufig auch in Kammermusik-Ensembles oder größeren Blechbläserformationen. Mein Beruf liegt tatsächlich in der Finanzwelt, im Asset-Management. Musik ist für mich eine wichtige Ergänzung und gleichzeitig Passion. Sie verlangt Konzentration, höchste Disziplin, Teamarbeit, manchmal klare Führung und doch auch immer die Fähigkeit, aufeinander einzugehen – interessanterweise gar nicht so unähnlich den Anforderungen an einen guten Manager.

Wie viele Sonntagskonzerte gab es bislang?

Inzwischen sind wir im zweiten Jahr des „Klingenden Museum“ und haben ca. zwölf Konzerte gemeinsam erlebt – jedes einzelne hatte seinen eigenen Charakter. Besonders schön ist, dass sich langsam eine kleine Tradition entwickelt.

Hättest du erwartet, dass der Vortragssaal immer so gut gefüllt ist?

Ganz ehrlich: Ich hatte gehofft, dass das Format angenommen wird – aber das große Interesse hat mich wirklich positiv überrascht, und manchmal ist die Resonanz dieses wunderbaren Publikums für uns emotional sehr bewegend. Es macht einfach so viel Freude, hier spielen zu dürfen – und es zeigt, dass es ein großes Interesse an hochwertiger Live-Musik gibt, besonders in einer so persönlichen Atmosphäre.

Viel Interesse gab es an dem Konzert des „Modern Sax Quartet Mainz 04“. (Foto: Josh Schlasius)

Wie ist die Resonanz bei den Musizierenden?

Wie gesagt: Die Musiker sind von der Atmosphäre meist begeistert. Der Raum ist sehr konzentriert, das Publikum hört aufmerksam zu, und die Nähe zwischen Publikum und Künstlern ist etwas Besonderes. Und natürlich sind der Applaus und auch die Zugabe-Rufe eine wunderbare Bestätigung.

Wie viele Menschen brauchst du für die Organisation?

Zum Glück bin ich damit nicht allein. Für die Organisation braucht es ein kleines, engagiertes Team. Nicola Wöhrl als Vorsitzende von Sinfonietta Mainz, Marc Schmiedhäuser, der das Programm mitgestaltet und natürlich Förderkreis-Geschäftsführerin Martina Mulcahy, die uns alles organisiert und gleichermaßen Sparringspartnerin ist. Nicht zu vergessen Suzan Mesgaran vom Museum, die als wichtigste Schnittstelle zum Museum hilft, die Voraussetzungen für die Konzerte optimal zu organisieren.

Sag nochmal kurz etwas zur Programmgestaltung.

Die Programme entstehen meist aus Gesprächen mit Musikerinnen und Musikern. Man überlegt gemeinsam, welche Formation gut zum Raum passt und welche Stücke spannend sein könnten.

Sie begeisterten das Publikum: die Musiker und Musikerinnen des „Modern Sax Quartet Mainz 04“. (Foto: Josh Schlasius)

Das „Modern Sax Quartet Mainz 04“ mit vier Saxofonen kam ja unlängst besonders gut an …

Ja, das war wirklich ein Highlight und ein kleines Experiment zugleich. Der Name sorgt zunächst für ein Schmunzeln – und dann kommt ein unglaublich vielseitiges Programm von Gershwin bis Deep Purple. Solche Überraschungen gehören für mich zum Reiz dieser Reihe.

Und was erwartet die Gäste am 29. März?

Am 29. März bieten wir dem Publikum wieder ein sehr besonderes Programm mit herausragenden Musikerinnen und Musikern. Diesmal spielen „Sinfonietta Strings“, ein Ensemble ausgewählter Streicher von Sinfonietta Mainz „Die sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuze“ von Joseph Haydn; ein passendes Werk, voller Gefühl und Ausdruck zur Osterzeit und am Palmsonntag.

Das macht wieder neugierig auf das „Klingende Museum“ und wird sicher eine schöne Einstimmung auf Ostern. Aber bitte verrate uns zum Abschluss noch etwas von dir persönlich. Ist es richtig, dass du durchaus überlegt hattest, Profi-Musiker zu werden?

Ja, tatsächlich. Musik hat in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt. Ich habe an der Musikhochschule Würzburg bei Prof. Göss und Prof. Rückert Orchestermusik studiert, musste das Studium allerdings wegen eines Unfalls gegen Ende abbrechen. Dadurch ist es dann ein anderer beruflicher Weg geworden, aber die Musik ist als erfüllendes Hobby geblieben.

Die Musik ist ihm ein „erfüllendes Hobby“ geblieben: Frank-Peter Martin (2. von links auf der Bühne im Museum) spielt in verschiedenen Formationen Posaune. (Foto: privat)

Welche Musikrichtung liegt dir besonders am Herzen?

Als Blechbläser liebe ich natürlich die Romantik, die große Orchestermusik, allem voran Mahler, Bruckner, Schostakowitsch und natürlich Blechbläsermusik – im großen Ensemble sowie kammermusikalisch – von der Renaissance bis zur Gegenwart. Ebenso liebe ich die Freiheit, die einem der Jazz ermöglicht.

Wie bist du zu den Freunden des Museums gekommen?

Seinerzeit fragte mich der langjährige Kuratoriumsvorsitzende Stephan Ziegler, ob ich Interesse an einer Mitgliedschaft im Kuratorium hätte. Das kam meiner Begeisterung für Kunst und Kultur natürlich sehr entgegen.

Welche Kunstrichtung zieht dich besonders an?

Ich liebe die Klassische Moderne, bin fasziniert von den wunderbaren Werken von Alexej von Jawlensky, Karl Schmidt-Rottluff, Fritz Winter … Aber auch weniger bekannte Maler wie Rolf Cavael begeistern mich immer wieder aufs Neue.

Zum Schluss: Hast du noch einen Wunsch an die Freunde des Museums oder das Museum selbst?

Mein Wunsch wäre, dass das „Klingende Museum“ weiter wachsen kann. Der Eintritt bleibt bewusst frei – damit möglichst viele Menschen diese Konzerte erleben können. Gleichzeitig freuen wir uns natürlich immer über Unterstützung. Denn das hilft uns, größere musikalische Projekte zu realisieren und diese besondere Reihe weiterzuentwickeln, etwa eine „Klingende Nacht“ des Museums (oder der Museen, gemeinsam mit dem Museum Reinhard Ernst) zu gestalten. Und vor allem wünsche ich mir, dass viele Menschen weiterhin neugierig bleiben – auf Musik, auf Bildende Kunst und auf diese schöne Verbindung zwischen beidem.

Das Gespräch führte Ingeborg Salm-Boost

 

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