Junge Freunde ziehen mit K.R.A.M. an

Kunst(voll) mitmachen und genießen

„Wir sind fast vom Stuhl gefallen, als wir das Ergebnis erfahren haben“: Marie-Valerie Plichta vom Orga-Team des K.R.A.M.- Geburtstages ist ebenso wie ihre Mitstreiter Alicia Scheld und Matthias Merlin Taegener völlig geflasht vom Erfolg des Abends. Ebenso Klaus Niemann, Vorstandsmitglied der Freunde des Museums und Initiator der Jungen Freunde, der deren Belange durch kontinuierlichen Austausch mit dem Förderkreis, den Hochschulen und dem Museum vertritt. 301 Gästen hat der Sicherheitsdienst des Museums den kleinen Stempel aufs Handgelenk gedrückt – und das sind mehr, als die Verantwortlichen zu hoffen gewagt hatten. Bis der K.R.A.M – die Abkürzung steht für Kunst, Raum, Aktion, Musik – auf die Beine gestellt ist, gibt’s jede Menge zu tun. Zwar wirbelt das Trio samt unzähliger Helfer am Tag des Festes bereits seit 8 Uhr morgens im Museum, doch der Einlass lässt ein wenig auf sich warten. Gut so, Schlange stehende Menschen vor einem Museum machen neugierig und sind ja immer auch ein gutes Zeichen. Erleichterung, als dieser Menschenstrom sich beim Öffnen der Tür ins Museum ergießt – und sich sofort auf die gezeigten Werke von Hobbykünstlern in der Säulenhalle stürzt. Andere wiederum streben zielstrebig die Räume der Museumspädagogik (edu) im Untergeschoss an: Hier gibt es ebenfalls Bilder zu sehen, es werden Installationen gezeigt, Skizzenbücher und Collagen präsentiert, und der Mitmach-Tisch, der die eigene Kreativität mit den unterschiedlichsten Materialien herausfordert, ist im Nu besetzt. Neben der Säulenhalle entstehen an dieser Station wunderschöne Masken aus Pappmaschee, jede einzelne ein kleines Kunstwerk, das mit nach Hause genommen wird.

Volles Haus und super Stimmung beim Event zum einjährigen Bestehen (Foto: Micha Reinke)

Die Jungen Freunde haben das Event zur besonderen Öffnungszeit des Museums, zu dem explizit auch die Erstsemester eingeladen wurden, vornehmlich über Instagram beworben – mit unverhoffter Resonanz bereits im Vorfeld. „Unglaublich viele Kunstschaffende wollten sich an der Feier beteiligen“, freut sich Marie-Valerie. Die Absagen insbesondere an Künstler und Künstlerinnen, die älter als 30 Jahre alt sind und damit das Altersraster der Jungen Freunde sprengen, fielen schwer. Die Arbeiten derjenigen, die ausstellen dürfen, regen nicht allein die Fantasie des Betrachters an – sie animieren auch zum Austausch. Und eben das ist Zweck des Abends, der die Interaktion mit Raum und Kunst und über Kunst in den Vordergrund stellt.

Lust auf Kreativität: Es gibt viele Anlaufstationen. (Foto: Micha Reinke)

Dazu dient auch der Kram an mehreren Tischen – Kram im wahrsten Sinne des Wortes, ein einzelner Schuh, eine Muschel, eine ausgediente Brille oder ein ausgedientes Teil eines Salatbestecks. Allesamt mit handbeschriebenen Zetteln versehen, die zum Mitmachen animieren: sich einen Gesprächspartner suchen, gemeinsam schweigend ein Kunstwerk betrachten und sich anschließend austauschen, bevor das nächste Trödelteil mit einem andersfarbigen Schildchen ausgewählt wird. Mehr als dies Hälfte dieses Krams geht weg, der Rest wird wohl in den Ateliers der Kommunikationsdesign-Studierenden der Hochschule Rhein-Main landen und dort auf Weiterverwertung warten. Auch dies nämlich, die Nachhaltigkeit, haben die Jungen Freunde auf dem Schirm, die inzwischen mehr als 600 Follower auf Instagram zählen.

Zeigt her Eure Kunst! Die Jungen Freunde bieten ein Forum. Und es gibt viel zu entdecken bei „K.R.A.M.“ – unter anderem das Werk von Lucie Marie Metzger. (Foto: Micha Reinke)

„Lasst mich miauen“ wirbt die Katzenspardose aus Porzellan um Spenden für die Käse- und Olivenbrötchen, die zur Stärkung bereitliegen, an der Bar mit den alkoholfreien Getränken heißt es lapidar: „Spenden bringt Glück“. Nicht allein die Stände mit den kulinarischen Leckereien werden beim K.R.A.M.-Abend rege frequentiert, ebenso der Stand der Freunde des Museums, wo sich die Tüte mit ausgefüllten Mitgliedsanträgen gut füllt. Annähernd 30 neue Junge Freunde können an diesem Abend als neue Mitglieder gewonnen werden.

Sorgt am Keyboard für das musikalische Programm: Alex Simonov. (Foto: Micha Reinke)

Riesige Freude (auch bei) Marie-Valerie, Matthias und Alicia, die bei einer kurzen Begrüßung mit Dank nicht geizen. Er gilt dem Museum und seinem Direktor Dr. Andreas Henning, der die wohl kürzeste Begrüßungsrede seiner Amtszeit hält und den Jungen Freunden für ihren Einsatz dankt, dem Junge Freunde-Paten Klaus Niemann, dem herzlicher Beifall zuteil wird, Alex Simonov, der die Musik verantwortet sowie Leon Ried Edmond-Bryon, der die Technik und das Licht im Griff hat. Überhaupt: Die Hilfsbereitschaft der Kommilitonen begeistert die Fest-Verantwortlichen, die ihre liebe Not haben, die Gäste – darunter übrigens auch einige ältere Freunde des Museums – nach knapp vierstündigem Fest zum Gehen zu bewegen. „Viele haben ganz spontan beim Abbau mitgeholfen“, freut sich das Trio, das sich ebenso begeistert vom Erfolg des „open mic“ zeigt: Auf der „offenen Bühne“ bieten Besucherinnen und Besucher Gesang und Poetry Slam, anderen nutzen das Forum für persönliche Botschaften. Interaktion pur, ganz im Sinne der Initiatoren, die sich für eine Fortsetzung einer solcher Feier begeistern können. „Jedes Jahr ein Event, das wäre toll“, schwärmt Marie-Valerie, bevor sie und die Mitstreiter mit dem endgültig letzten Transporter das Museum Wiesbaden verlässt …

Christina Oxfort

 

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