Klang Nouveau – die neue Konzertreihe

Interview mit Stiftungs-Geschäftsführerin Cordula Hacke

Kleine, feine Konzerte mit Musik aus der Zeit des Jugendstils konnten Freunde des Museums bereits inmitten der Neess-Sammlung erleben. Nun also bietet die 2023 gegründete Stiftung Internationaler Musikwettbewerb Ferdinand W. Neess eine Konzertreihe im Museum Wiesbaden an, drei öffentliche Veranstaltungen in Gedenken an den Sammler, Stifter und Musikfreund. Die Pianistin und Stiftungs-Geschäftsführerin Cordula Hacke stimmt darauf ein.


Cordula, mit „Klang Nouveau“ können wir uns in Wiesbaden auf eine neue Konzertreihe freuen, die alle zwei Jahre stattfinden soll, und diese steht in sehr enger Verbindung mit unserem Museum, ein Zusammenspiel von Jugendstil-Kunst in der Neess-Sammlung und der Musik aus dieser Zeit. Wie kam es zu dieser wunderbaren Idee?

Die Idee, Musik und Jugendstil in Form von Konzerten im Museum Wiesbaden miteinander zu verbinden, begleitet uns schon seit langem. Jetzt hat sich durch die Stiftung und den alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerb eine Möglichkeit geboten, dies zu realisieren. Die Jugendstil-Sammlung Neess erhält dadurch eine besondere Ergänzung, die stets unser Anliegen – und nicht zuletzt Ferdinands ausdrücklicher Wunsch – war. Unser aufrichtiger Dank gilt dem Museum Wiesbaden, das diese Umsetzung ermöglicht hat.

Sie hat zusammen mit Mäzenin Danielle Neess den Internationalen Flötenwettbewerb Ferdinand W. Neess aufgebaut und die neue Konzertreihe im Kontext der Sammlung entwickelt: Professorin Cordula Hacke. (Foto: Monika Werneke)

Ferdinand Wolfgang Neess war ja nicht nur ein großer Musik-Freund, sondern auch ein talentierter Flötist. Das erste der drei Konzerte trägt daher den Titel „Ferdinand‘s Favourites“. Was wird das Internationale Trio Art Nouveau den BesucherInnen am 5. Oktober, 11 Uhr, präsentieren?

Im Zentrum des Konzerts steht Ravels Klaviertrio in a-Moll, das Ferdinand über alles liebte.  Ich glaube, dass dieses Werk für ihn so etwas wie die Quintessenz des Art Nouveau war, und er hatte sich immer eine Live-Aufführung mit mir am Klavier gewünscht. Leider konnten wir 2019 aus Zeitgründen nur einen Teil des Trios bei der Schenkungszeremonie spielen. Das holen wir jetzt nach.

Des Weiteren steht die Debussy Sonate g-Moll für Violine und Klavier auf dem Programm. Dieses Werk ist so besonders im Zusammenhang mit Ferdinand W. Neess, weil er den Mut  hatte, eine Transkription für Flöte und Klavier anzuregen, die wir gemeinsam beim Schott Verlag herausgegeben haben, und die jetzt weltweit gespielt wird.

Nadia Boulangers drei Stücke für Cello und Klavier runden das Konzert ab. Diese Stücke wurden in derselben Zeit komponiert wie die anderen beiden Werke. Nadia Boulanger war eine der einflussreichsten Lehrerinnen dieser Zeit, sie unterrichtete u.a. Bernstein, Carter, Copland, Piazzolla, Quincy Jones und viele andere und war eine Freundin und Kollegin Ravels.

„Liebe mir im Busen zündet“, so ist das zweite Konzert am 7. Oktober, 19 Uhr, überschrieben und macht große Lust, dieses „inszenierte Liederspektakel mit ungewissem Ausgang“ mitzuerleben. Verrate uns ein wenig mehr dazu …

Das Projekt „Wie geil kann Liebe sein oder wie Liebe mir im Busen zündet“ ist eine Zusammenarbeit von ProfimusikerInnen und SchülerInnen der Oberstufe. Das „Spanische Liederbuch“ von Hugo Wolf ist ein Liederzyklus, der sich in geistliche und weltliche Lieder aufteilt. Arbeitsmaterial werden 20 Lieder von den ursprünglich 34 weltlichen Liedern sein. Die Auswahl erfolgt nach Affekten und einem Plot, der eine Liebesgeschichte erzählt. Der Tenor Professor Markus Schäfer, die Sopranistin Cornelia Haslbauer und die Pianistin Nadia Belneeva haben mit der Regisseurin Dzuna Kalnina ein Konzept erarbeitet,  das den traditionellen Liederabend aufbricht und ein junges Publikum durch Partizipation an die Liedkunst heranführt.

Wirkt als Blickfang und kündigt auf Plakaten die Konzertreihe zum „Klang Nouveau“ an. Auf drei Kammerkonzerte im Zusammenspiel mit der Jugendstil-Sammlung im Museum Wiesbaden darf man sich im Oktober freuen.

Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit jungen Menschen?

Jugendliche des Gymnasium Butzbach und des Burggymnasium Friedberg erarbeiten in einem Workshop eigene Gedichte, die sich in unserer heutigen Sprache und heutiger Sicht mit den Affekten des Liederzyklus beschäftigen. Verliebtsein, Liebeskummer, Spott und Zurückweisung sind nur einige der Themen. Regisseurin Dzuna Kalnina wird mit den SchülerInnen und den MusikerInnen ein Lieder-Schauspiel zusammenfügen aus gesungenen und rezitierten Gedichten. Geprobt wird gemeinsam im Theater „ Altes Hallenbad“  in Friedberg.

Profis und SchülerInnen sind gemeinsam kreativ. Das klingt spannend …

Ja, das Projekt lädt SchülerInnen ein, sich frei von Bewertung und schulischen Druck mit einem Genre auseinanderzusetzen, das den meisten ansonsten unbekannt bleibt.

Die Möglichkeit auf Augenhöhe mit Profis zusammenzuarbeiten und ein Bühnenwerk zu kreieren, soll die eigene Kreativität, die Freude an Sprache, Musik und den Mut zum Experimentieren wecken. Im Gegenzug geben die Jugendlichen durch ihre Sicht neue Impulse und verhelfen dem traditionellen „Liederabend“ zu einer erfrischenden Modernität.

Und am 8. Oktober, 19 Uhr, wird es ebenfalls im Vortragssaal des Museums eine Hommage an Lili Boulanger geben. Bitte sage uns etwas zu dieser Komponistin des französischen Impressionismus.

Lili Boulanger war die jüngere Schwester der oben genannten Nadia Boulanger und ist eine der bedeutendsten Komponistinnen des französischen Impressionismus. Tochter einer russischen Gräfin und eines französischen Komponisten, Schülerin von Gabriel Fauré, war sie die erste Frau, die den renommierten Prix de Rome gewann, mit 19 Jahren. Lili verstarb leider sehr früh im Alter von 24 Jahren.

Die Texte des Programms, einfühlsam vorgetragen vom Wiener Schauspieler Michael Dangl, verweben Lili Boulangers persönliche Aufzeichnungen mit literarischen Stimmen aus dem künstlerischen Umfeld des Pariser Fin de Siècle. Im kunstvollen Dialog mit der Musik verschmelzen Wort und Klang zu einer atmosphärischen Einheit.

Gespielt wird Musik von Lili Boulanger, Albert Roussel, Gabriel Fauré und Reynaldo Hahn, Texte von Marcel Proust, Maurice Maeterlinck, Blaise Pascal und Chiara Carminati. Dieses Programm spielen wir übrigens zwei Tage später im Musikverein Wien …

Den „Klang Nouveau“ ins Leben zu rufen und ein solches Angebot mit herausragenden MusikerInnen zu planen war doch sicher ein Kraftakt?

Wie schon erwähnt, haben wir diese Idee ja schon länger, und irgendwann ist es dann so weit, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ein Kraftakt, ja, es ist eine Menge Arbeit, eine komplett neue Konzertreihe auf die Beine zu stellen. Große Unterstützung haben wir vom Museum Wiesbaden erhalten, vor allem von Suzan Mesgaran; ebenso von der Stadt Wiesbaden, von den Freunden des Museums und natürlich wäre all das nicht möglich ohne die großzügige Finanzierung der Stiftung und die Gelder, die Danielle Neess uns dafür zur Verfügung stellt.

Hier ist es an der Zeit, den Internationalen Flötenwettbewerb zu erwähnen, der in Gedenken an Ferdinand Wolfgang Neess alle zwei Jahre im Museum Wiesbaden veranstaltet wird und große Resonanz erfährt …

Danke, dass Du dies erwähnst. Wir sind schon in Vorbereitung für den nächsten Wettbewerb 2026, bei dem wir einige Dinge verändern wollen, wie z.B. die Einführung eines abschließenden PreisträgerInnen-Konzerts. Ab Oktober werden alle notwendigen Infos auf unserer Webseite und in den Social Media Accounts zur Verfügung stehen.

Bitte noch ein Wort zur Arbeit der Stiftung.

Die Stiftung wurde 2023 gegründet. Im Zentrum steht der Internationale Musikwettbewerb, der alle zwei Jahre herausragenden NachwuchsmusikerInnen eine Bühne bietet, die Konzertreihe KLANG NOUVEAU, aber auch Einzelprojekte, wie z.B. die Videoaufnahme der neuen Sonate für Flöte und Klavier von Emile Naoumoff.
Ziel ist es, künstlerische Exzellenz mit einer nachhaltigen kulturellen Vermittlung zu verbinden. Junge MusikerInnen, KomponistInnen und Ensembles und ein interessiertes Publikum, sollen für die Kunst und die Musik des Art Nouveau begeistert werden.

Darf ich noch eine persönliche Frage an dich stellen? Du bist als Kammermusikpartnerin gefragt und unterwegs, du hast auch einen Lehrstuhl für Kammermusik und Collaborative Piano an der University of Agder, Norwegen. Wie bekommst du das alles gestemmt?

Tja …. das frage ich mich manchmal auch! Vieles kann man ja online und per Computer erledigen, aber es braucht doch auch eine straffe Organisation!  Sehr hilfreich zur Seite steht mir die Agentur HBW, die auch die wunderbaren Entwürfe macht, und hier und da lerne ich, zu delegieren. Das Schönste ist, wenn alles funktioniert, das Publikum zu den Konzerten strömt und beseelt wieder nach Hause geht.

Du bist im ständigen Austausch mit Danielle Neess …

Ja, auf jeden Fall.  Wir sind ein eingespieltes Team, und sie ist meine größte Unterstützung.

„Mir war immer wichtig, im Sinne von Ferdinand schöne Konzerte im Kontext mit der Sammlung anzubieten. Und das können wir nun mit der Stiftung verwirklichen, ebenso wie Cordula und ich den Internationalen Flötenwettbewerb aufgebaut haben, der nun auch von der Stiftung veranstaltet wird.“
Danielle Neess

Bitte sage zum Schluss den Freunden und Freundinnen des Museums in zwei prägnanten Sätzen, warum sie unbedingt, den „Klang Nouveau“ in sich aufnehmen sollten.

Der „Klang Nouveau“ lässt sie in eine faszinierende Welt eintauchen, in der Musik, Kunst und Zeitgeist des Jugendstils zu einem sinnlichen Gesamterlebnis verschmelzen. Wer sich darauf einlässt, spürt die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart in einer Intensität, die lange nachhallt.

Das Gespräch führte Ingeborg Salm-Boost


Tickets für die Konzerte gibt es auf der Plattform Reservix und bei AdTicket und an der Abendkasse im Museum Wiesbaden. Weitere Infos: www.stiftung-neess.de

 

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