Kunstvoll und Naturnah
„Die Blauen Reiterinnen“
Es kommt Großes auf uns zu! Erstmals weltweit wird eine Ausstellung konzipiert, die explizit die Frauen im Umfeld des Blauen Reiters zusammenführt.
Aber war der Blaue Reiter nicht immer nur Wassily Kandinsky und Franz Marc, und wenn weitere Künstler genannt wurden, dann waren das August Macke, Paul Klee oder Alexej von Jawlensky – keine Frau weit und breit, eventuell Gabriele Münter, aber nur weil sie mit Kandinsky liiert war? Doch das stimmt gar nicht. Dieses Zurechtstutzen auf einen weitgehend männlichen Künstlerkreis geschah erst nach dem Zweiten Weltkrieg – dieser Kunstkanon hielt sich bis vor kurzen sehr hartnäckig.
Vor dem Ersten Weltkrieg bewegten sich aber zwölf Künstlerinnen wie selbstverständlich in den Münchner progressiven Kreisen, stellten in der Neuen Künstlervereinigung München und im Blauen Reiter aus, hielten kunst- und kulturtheoretische Gesprächszirkel ab und netzwerkten über Grenzen hinweg – beispielsweise von Moskau nach München und von München nach Paris.
Der Blaue Reiter war eben auch ein Kreis von Blauen Reiterinnen, und das ist das Elektrisierende, Überraschende an dieser Ausstellung – man dachte ja fast, der Blaue Reiter wäre auserzählt, aber im kommenden Herbst wird bei uns in Wiesbaden die Ausstellung „Die Blauen Reiterinnen“ eröffnet, die gemeinsam mit dem Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen sowie der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München entwickelt wurde, und die ein neues wesentliches Kapitel der so männlich geprägten Rezeption hinzufügt. Darauf freuen wir uns sehr und, wie wir schon heute an den vielen Führungsanfragen merken, trifft dies auch das Interesse eines breiten Publikums.

Derzeit befinden wir uns mitten in der Umsetzung, man könnte auch sagen, in der heißen Phase: Die Konzepte sind geschrieben, die Leihgaben stehen fest, die Fördermittel sind beantragt und zugesagt – vielen, vielen Dank an den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Ernst von Siemens-Kunststiftung, die Kulturstiftung der Länder und selbstverständlich Ihnen, liebe Freunde des Museums Wiesbaden! Denn Sie alle haben mit Ihren Beiträgen auch dieses Projekt unterstützt!

Die Werbe- und Marketingmotive wurden bereits festgelegt, manche Katalogtexte sind teils geschrieben und schon in der Übersetzung oder trudeln nach und nach mit neuesten spannenden Erkenntnissen über die viele Jahrzehnte übersehenen Künstlerinnen ein. Der Katalog erscheint übrigens in drei Sprachversionen (was es aufwendiger macht als sonst), natürlich in Deutsch und Englisch, hinzukommt italienisch, weil die Ausstellung nach der Station in München auch noch im Museo Comunale d’Arte Moderna in Ascona gezeigt wird, wo die Fondazione Marianne Werefkin angesiedelt ist.
Zudem ist das Begleitprogramm in Arbeit, Vortragende und Gesprächspartnerinnen sind angefragt. Die Themen lagen diesmal glücklicherweise auf der Hand, weil zwei der zwölf präsentierten Künstlerinnen große Jubiläen haben: Maria Franck-Marc (1876–1955) und Gabriele Münter (1877–1962) haben in 2026 und 2027 ihren 150. Geburtstag, was wir natürlich mit zwei Veranstaltungen feierlich würdigen wollen und die Sie als Mitglied wie immer kostenfrei besuchen können. Einzelheiten erfahren Sie im kommenden Halbjahresprogramm

Kurz: Diese Ausstellung, davon sind wir am Museum Wiesbaden, Paula Modersohn-Becker-Museum in Bremen und Lenbachhaus in München fest überzeugt, wird den Blick auf die Kunstgeschichte ändern: Der Blaue Reiter wird nach ihr ein anderer sein – das ist das große Ziel dieser Ausstellung mit folgenden Künstlerinnen:
Erma Bossi, Sonia Delaunay-Gerk, Emmi Dresler, Elisabeth Epstein, Elisabeth Erdmann-Macke, Maria Franck-Marc, Natalia Gontscharowa, Else Lasker-Schüler, Olga Meerson, Gabriele Münter, Carla Pohle und Marianne von Werefkin.
Freuen Sie sich darauf!
Ihr
Roman Zieglgänsberger