Neujahrsempfang im Museum
Mit „Zuversicht“ und „Rückenwind“ ins neue Jahr
Dem gerade in der heutigen Zeit immer wichtiger werdenden persönlichen Austausch wird beim traditionellen Neujahrsempfang der Museums-Freunde Rechnung getragen. Das offizielle Programm gewohnt kurzweilig, unterhaltsam und ausgesprochen informativ – das Get-together in der Wandelhalle wird intensiv genutzt, um sich bei Getränken und Snacks über die vor Beginn des Empfangs gewonnenen Eindrücke bei Rundgängen und Führungen auch mit den Kuratoren und übers Gehörte auszutauschen. Etwa über die „Zuversicht“, die Vereinsvorsitzender Dr. Gerd Eckelmann beschwört. Ohne „Schönfärberei“ betreiben zu wollen, erinnert er in seiner Rede daran, dass es möglich sei, „mindestens unsere hausgemachten Krisen als Herausforderungen zu begreifen, die man meistern kann.“ Und er ruft vergangene Generationen in Erinnerung, die auch zu Zeiten, in denen sie mehr von mehr Ruinen denn Häusern umgeben waren, gleichwohl zuversichtlich geblieben seien und Aufwärtsspiralen schafften. Eckelmann verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, dass das Land Hessen die Mittel für den so dringend benötigten Erweiterungsbau des Museums bereitstellen wird. Mit dem aus einem Architekten-Wettbewerb hervorgegangenen überzeugenden Siegerentwurf für den rund 3.000 Quadratmeter großen Bau sei ein erster wichtiger Schritt getan.

Die (Vor-)Freude auf die großen Sonderausstellungen im Jahr 2026 hat der Vorsitzende des Vereins – mit inzwischen mehr als 2.500 Mitgliedern einer der größten Fördervereine des Landes – mit Museums-Direktor Dr. Andreas Henning gemein: Der ist ebenso wie Eckelmann gespannt auf die Ausstellung „Blaue Reiterinnen“, die Ende Oktober eröffnet und Monate später auf Tournee gehen wird. Dass hier die „Pfingstrosen“ der Malerin Maria Marc gezeigt werden können, ist dem vor mehr als einem Jahr gegründeten Oktogon Circle zu verdanken: Dessen Mitglieder spendeten mehr als 100.000 Euro für den Ankauf von vier Werken, darunter die „Pfingstrosen. Bekanntlich hat das Museum keinen eigens ausgewiesenen Etat für Neuerwerbungen und ist auf Unterstützung angewiesen.

Unterstützung wird dem Haus in vielen Bereichen durch den Verein zuteil, betont Henning, der sich wie sein Team über „Rückenwind“ mit mehr als 130.000 Besucherinnen und Besuchern im vergangenen Jahr freut – dem zweiterfolgreichsten Jahr des Museums, das 2025 seinen 200. Geburtstag feierte.

Doch nicht allein das Jubiläumsjahr brachte das Landesmuseum in nationale und sogar internationale Schlagzeilen. Dafür sorgten auch die Fans von Taylor Swift, die in Scharen zur „Ophelia“ von Friedrich Heyser – kurz in einem Video der Musikerin zu sehen – pilgerten. „Unglaublich, ein Tsunami!“ freut sich mit Andreas Henning Sarah Schadt. Die Social-Media-Beauftragte des Museums gibt in der von Corinna Freudig moderierten Speed-Talking-Runde Auskunft über die spontan geplanten und durchgeführten Sonderveranstaltungen für die „Swifties“.

Über mangelnde Resonanz kann sich auch Frank-Peter Martin nicht beklagen Er ist Kuratoriumsmitglied der Freunde und Organisator des „Klingenden Museums“, bei dem bei freiem Eintritt auch Gäste ohne Mitgliedschaft bei den Museums-Freunden willkommen sind. Der Museumsaal sei die ideale Plattform insbesondere für junge Musiker, um vor einem interessierten Publikum zu spielen und unter Beweis zu stellen, dass Musik und Kunst „in vielen Bereichen“ verbunden seien. Mit welcher Professionalität dies gelingt, stellt beim Neujahrsempfang das „Varua Duo“ unter Beweis. Pianistin Catalina Jara und der Sopransaxophonist Nicolás Granados befinden sich noch im Studium. Begeisterter Applaus ist ihnen gewiss, auch von Miriam Merz (Provenienzforschung) und Marian Stein-Steinfeld, der Enkelin von Hanna Bekker vom Rath (Malerin, Sammlerin und Kunsthändlerin) und Leiterin deren Archivs. Beide vermitteln interessante Einblicke in ihre Arbeit – so zur Restitution von Kunstwerken, die während des NS-Regimes verfolgungsbedingt entzogen wurden, und zur Unterstützung der Sammlerin Hanna Bekker vom Rath, die Werke während der NS-Zeit verfemter Maler ausstellte.

Dem Jugendstil ist die erste großen Ausstellung in der Kunst des Jahres 2026 gewidmet, es geht um „Georg Lührig – Ein Maler aus Dresden“. Der Jugendstil-Schenkung des verstorbenen Mäzens Ferdinand Wolfgang Neess Dank verdankt das Museum Wiesbaden große Reputation. Mäzenin Danielle Neess gehört ebenso zu den Gästen des Neujahrsempfangs wie Mäzen Frank Brabant, Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr, Ehrenbürger Reinhard Ernst und Professorin Eva Waller, Präsidentin der Hochschule Rhein-Main.

Auf die große Sonderausstellung „GIFT – Tödliche Gaben“ macht der Biologe und Mit-Kurator Dr. Konrad Lipkowski neugierig. Er hat über Giftfrösche promoviert und gewährt in der Talkrunde einen kurzen Einblick in die Ausstellung zum Thema Gift, das uns übrigens täglich begegnet („Die Dosis macht’s“). Unter den „sechs Richtigen“ auf der Bühne befindet sich auch Matthias Merlin Taegener, Mitglied im Leitungsteam der „Jungen Freunde“ bei den Museums-Freunden. Diese begingen im Oktober 2025 mit der Veranstaltung K.R.A.M. (Kunst, Raum, Aktion, Musik) ihren einjährigen Geburtstag. Taegener zeigt sich überrascht vom großen Interesse der 18- bis 30-jährigen Aspiranten, die im Museum ihre Kunst ausstellen und feiern wollten.

Im Rahmen der Kooperation der Jungen Freunde des Museums Wiesbaden und der Akademie Mode & Design der Hochschule Fresenius zeigen an diesem Abend zehn Models mit ausgesuchten Kreationen, wie „Couture made in Wiesbaden“ aussieht – zum Teil mit futuristisch anmutenden und mutigen Roben, die für die Zukunft stehen. Und die wird im Museum Wiesbaden auf jeden Fall abwechslungsreich und unterhaltsam, wie etwa beim Museums-Sommerfest am 20. Juni und mit den vielfältigen Ausstellungen. Und geprägt von „Zuversicht“ und „Rückenwind“.
Christina Oxfort