Politische Plakate – Zwischen Zensur und Provokation
Freunde laden zum Vortrag
Großes Interesse an der Ausstellung „Unter Druck. Politische Plakate 1918–1933“ war bereits am Eröffnungsabend Anfang Februar, auch bei unserer Preview zu beobachten. Und angeregte Gespräche gab es nach der Einführung durch Kustos Dr. Peter Forster. Am Donnerstag, 12. März, 19 Uhr, wird es, unterstützt von den Freunden des Museums, einen ergänzenden Vortrag zum Thema „Zwischen Zensur und Provokation. Das politische Plakat in Deutschland 1914–1933. Eine Übersicht“ geben. Der Referent, René Grohnert, langjähriger Leiter des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang, schreibt uns dazu:
Zunächst geht es kurz um die Vorläufer des Plakats: Flugblätter, Flugschriften und Karikaturen. Für das politische Plakat gab es im Deutschen Reich zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen, die verhinderten, dass politische Meinungsäußerungen im öffentlichen Raum sichtbar wurden.
Unterlaufen wurden diese Bestimmungen erstmals während der Deutschen Revolution von 1848/49. Im Programm der Nationalversammlung wurde die Pressefreiheit als zentrale Forderung aufgestellt; diese Errungenschaften wurden jedoch relativ schnell und schrittweise wieder zurückgenommen. Mit dem Sozialistengesetz von 1890 kam die öffentliche politische Betätigung der Arbeiterbewegung weitgehend zum Erliegen. Vereinzelt fanden dennoch politische Statements Eingang in Plakate zu anderen Themen, sie wurden gewissermaßen „hineingeschummelt“. Auch in anderen Ländern gab es erste Versuche, politische Plakate im öffentlichen Raum zu platzieren.

Mit dem Ersten Weltkrieg ändert sich die Situation grundlegend: Das Plakat wird zu einem zentralen Propaganda-Medium. Allerdings nutzten die einzelnen Kriegsparteien das Medium sehr unterschiedlich – von zögerlich und uninspiriert bis brutal und bewusst irreführend. In jedem Fall wurde die Formensprache des politischen Plakats nun erstmals umfassend ausgearbeitet und entwickelte sich zum wichtigsten Vorbild für eine neue visuelle Bildsprache in der Weimarer Republik.

Eine bis dahin nicht gekannte Vielfalt an Themen, Motiven und gestalterischen Mitteln prägte das Erscheinungsbild des politischen Plakats. Zugleich spiegeln viele Plakate in ihrer teils hasserfüllten Brutalität die Realität der Straße wider, die von blutigen und teilweise tödlichen Auseinandersetzungen gekennzeichnet war. Auffällig ist dabei insbesondere die intensive Propaganda von Parteien und Organisationen an den linken und rechten Rändern des politischen Spektrums.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endet nicht nur die vielfältige politische Auseinandersetzung; mit der Gleichschaltung aller Medien wurde auch das Plakat zu einem der wichtigsten Propagandainstrumente des NS-Staates.
Die beschriebenen Entwicklungen werden anhand von rund 80 Abbildungen dokumentiert.
PS: Unser Museum kooperiert beim Thema „Politische Plakate“ mit dem Hessischen Landtag, wo am 18. März die Ausstellung „Politische Plakate 1945–1991“ eröffnet wird. Zu sehen ist sie bis zum 12. April. Beide Ausstellungsteile stammen aus der Sammlung des Wiesbadener Sammlers und Förderkreis-Mitglieds Maximilian Karagöz – im Landtag ergänzt um Leihgaben der Fraktionen des Hessischen Landtags.