Unter Freunden
Kleine Geschenke im Alltag
Ergeht es Ihnen manchmal auch so? Sie sind in der Stadt unterwegs, treffen viele Menschen, die es offenbar sehr eilig haben, im Laufschritt unterwegs sind und gleichzeitig aufs Handy-Display starren, manchmal im letzten Moment einen Zusammenstoß verhindern. Und auf viele geneigte Köpfe schaut man auch im Bus, ist längst daran gewöhnt. Was kümmert schon das Drumherum, wenn man doch das mobile Phone dabei hat … Warum diese Beschreibung in meinem Beitrag „Unter Freunden“ zu Ostern? Nun, ich möchte, ausgehend von solchen alltäglichen Beobachtungen, gerne auf kleine Geschenke blicken, die im Alltag einfach Freude machen.
Bleiben wir im Bus: Da erblicke ich in der Reihe gegenüber doch tatsächlich einen Mann, der ein Buch aus der Tasche zieht. Ich versuche einen Blick auf das Cover zu erhaschen – tatsächlich, das ist mir vertraut: „Ansichtssachen“ von Kia Vahland. In dem Band der Insel-Bücherei geht es um „Alte Bilder, neue Zeiten“. Leider bleibt keine Zeit, sich über das kleine, feine Werk, das ich kenne und liebe, auszutauschen, mein Fahrtziel ist erreicht … Aber, allein dieses Erlebnis macht schon Freude.
Ebenso die Begegnung im Bus an einem anderen Tag. Ich sitze einer mir unbekannten Dame gegenüber, die gerade von einem Museumsbesuch kommt, noch ganz erfüllt von „Feininger, Münter, Modersohn-Becker … Oder wie Kunst ins Museum kommt“. Wir signalisieren gegenseitig Lust auf ein Gespräch. Ich kündige ihr schon mal „Die Blauen Reiterinnen“ an, das Highlight im Herbst – eine Weltpremiere, heißt es im Museum, eine Schau, an der nun längst auf Hochtouren gearbeitet wird.

Sie soll zeigen, welche Bedeutung den Künstlerinnen im Umfeld der „Blauen Reiter“ an der Entwicklung der Moderne zukommt, ein bislang nahezu völlig unerforschtes Thema, sagt Kustos Roman Zieglgänsberger. Im Laufe des Aprils wird er auf dieser Website den Freunden und Freundinnen berichten, was sie erwartet. Nach Wiesbaden werden die „Blauen Reiterinnen“ Station in Bremen, München und Ascona machen.

Ausflug in die Natur: Im Tennelbachtal, an der Feldkapelle, die alleine schon mit ihrer Architektur zum Innenhalten einlädt, begegne ich eher wenigen Menschen, aber ab und an offenbar Gleichgesinnten. Man muss sich nicht unbedingt unterhalten, schon die Mimik verrät: Ja, hier lässt sich Ruhe und Ausgeglichenheit finden. Manchmal aber, da treffe ich zufällig einen kunstsinnigen Spaziergänger, der regelmäßig seine Runde hier dreht. Wir laufen ein Stück gemeinsam, sind in der Natur, doch gleichzeitig oft auch in der Kunst unterwegs. Wieder eine kleine Freude, die nachhallt. Und dann diese einzelnen so schön blühenden Blumen am Wegesrand. Ist das nicht wunderbar?
Gehen wir zurück ins Museum Wiesbaden und zu Erlebnissen hier, die, natürlich neben den Ausstellungsbesuchen, Freude machen, also auch Geschenke sind: Ein wunderbares Konzert in unserer Reihe „Klingendes Museum“ hat auf Ostern eingestimmt. Diesmal waren es die Streicher von „Sinfonietta Strings“, die im voll besetzten Vortragssaal mit Joseph Haydn den Sonntagmorgen zu einem besonderen Erlebnis machten: „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“. Wie schön, dass Sinfonietta Mainz immer wieder für uns Freunde des Museums kostenlos hochklassige Musik ins Museum bringt. Am 10. Mai ist es wieder so weit.

Und auch unsere „Jungen Freunde“ bereichern das Haus der Kunst und Natur. „Ich sehe was, was du nicht siehst“, so lautet der Titel eines digitalen Fotowettbewerbs, der großen Anklang fand. Noch vor Ostern konnte nun die Preisverleihung stattfinden, die Jury hatte angesichts von rund 80 Einreichungen keine leichte Aufgabe. Fünf Preise wurden vergeben, und die Fotoarbeiten der Gewinnerin und der Gewinner können derzeit in der Alten Bibliothek betrachtet werden. „Zeig’ uns Deinen Blick auf Kunst und Kultur in Wiesbaden – vielleicht etwas Bekanntes, vielleicht etwas Verstecktes“ so die Aufforderung. Den ersten Preis erhielt Ella Thomann für das „Opelbad im Schneechaos“. Schauen Sie mal: Ein Opelbad, das man so kaum kennt, eine Fotoarbeit, die uns Jurymitglied Thilo von Debschitz in Kürze auf dieser Website näherbringen wird, ebenso, wie uns die Laudatorinnen und Laudatoren die weiteren prämierten Arbeiten erläutern werden. Unsere Jungen Freude des Museums sind sehr aktiv, kreativ und kommunikativ – und auch dies ist ein Geschenk, über das man sich immer wieder freuen kann.
Ingeborg Salm-Boost
PS: Soeben habe ich eine schöne Nachricht im Kurier gelesen: Ein neues Projekt, „Touched by Art“, wurde gestartet, im Palasthotel werden KünstlerInnen mit und ohne Beeinträchtigung in Tandems kreativ werden. Es soll für gelebte Inklusion stehen. Und ist sicher der näheren Betrachtung wert.