Wir sind dabei

Was glücklich macht …

Wein und Kunst gehören für ihn zusammen. Beides kann Glücksgefühle auslösen. Beides sollte aber von besonderer Qualität sein. Schon früh ist der erfolgreiche Unternehmer und Weinexperte Ralf Frenzel mit der bildenden Kunst in Berührung gekommen. In der Serie „Wir sind dabei“ gehen wir mit dem 59-Jährigen in seine spannende „Genuss-Welt“, die ihr Domizil in der Sonnenberger Straße hat. Dort blicken wir auch auf ein Porträt des Künstlers Thomas Bayrle, den man aus dem Museum Wiesbaden kennt. Das Bild zeigt den „Weinhändler“ …


Herr Frenzel, vergangenes Jahr haben wir uns auf der Sonnenberger Straße getroffen und unterhalten. Im April wurden Sie Mitglied im Förderkreis. Was gab den Ausschlag?

Was Sie mir erzählt haben über Ihren Förderkreis und das Engagement, das hat mir gefallen. Ich bin ein Bauchmensch und dachte mir gleich: Es ist ein schöner Gedanke, im Museumsverein dabei zu sein.

Was gefällt Ihnen denn besonders am Museum Wiesbaden?

Lange war, glaube ich, das Museum Wiesbaden unterschätzt. Durch Alexander Klar habe ich es besser kennengelernt, er war ein exzellenter Kopf und hat sein Haus in der Stadt gut verkauft. Natürlich ist es auch super, dass das jetzt neue RheinMain CongressCenter gegenüber liegt und die City so nah, nämlich fußläufig erreichbar ist. Und wenn dann noch das Museum von Reinhard Ernst dazu kommt – das ist ein Glücksfall, ein Riesen-Gewinn!

Sie denken wie ein Marketing-Mann, sind ein „Wiesbaden-Verkäufer“.

Ja. Und deshalb sage ich auch: Man hätte unser tolles RMCC, also RheinMain CongressCenter besser Congress Center Wiesbaden genannt. Es wäre doch sinnvoll, unsere Stadt im Namen zu haben, wenn also beim Vermarkten die Sichtbarkeit Wiesbadens gewährleistet wäre. Und dann noch ein Wort zur Erreichbarkeit: Es kann doch nicht angehen, dass wir keine direkte Intercity-Anbindung haben. Hier ist nach wie vor die Politik gefordert.

Wie ist denn Ihr Verhältnis zur bildenden Kunst, und haben Sie sich immer schon dafür interessiert?

Absolut. Ich war noch sehr jung, als ich zum Wein kam und Sommelier in der „Ente“ wurde. Und dann lernte ich schnell Kunst bei Mouton Rothschild kennen. Schon vor dem zweiten Weltkrieg und dann wieder seit 1945 gibt es da jedes Jahr einen Wein mit einem besonderen Kunstetikett. Ich erinnere mich genau: Im Wendejahr 1989 war es mit Baselitz der erste Deutsche, der auf die Château Mouton Rothschild Flasche kam: „Die Mauer“ heißt die Arbeit. Das wurde in Berlin gefeiert. 2007 haben wir ein Buch über die Rothschild-Weine mit den Künstleretiketten herausgegeben.

Klingt spannend.

War es auch. „Kunst und Genuss“, das gehört doch zusammen. Aber wissen Sie, was früher bei Vernissagen für die Ausstellungen der bedeutendsten Künstler übel war: Die Galeristen kauften oft den schlechtesten Wein. Ich konnte nicht verstehen, dass gebildete Menschen so wenig auf die Qualität achteten.

Und das tat Ihnen, dem Weinexperten weh …

Ja. Und dann habe ich vor zehn Jahren in Berlin ein Treffen von bedeutenden Galerien und Künstlern mit den besten Winzern organisiert. Es gab übrigens mal Zeiten, da war Wiesbaden kulinarische Hauptstadt.

„Das bin ja ich!“ – „Der Weinhändler“ von Thomas Bayrle hängt nun in der Firma von Ralf Frenzel. (Foto: privat)

Das Museum Wiesbaden ist ja sehr vielfältig aufgestellt. Welche Kunstrichtung sagt Ihnen hier denn besonders zu?

Die moderne Kunst, die zeitgenössische. Zum Beispiel mag ich die von Thomas Bayrle, der ja auch im Museum Wiesbaden vertreten ist. Seine Arbeiten berühren mich. Er hat mir eines Tages mal ein Porträt gezeigt. Ich schaute hin und staunte – und sagte: „Das bin ja ich“. Hier, nebenan, können Sie es sehen: „Der Weinhändler“!
Auch Otto Dix gefällt mir. Ich erinnere mich noch gut daran, als das berühmte Werk „Die Skatspieler“ von der Neuen Nationalgalerie in Berlin erworben wurde. Das muss in den 1990er Jahren gewesen sein. Da gab es eigens für Prominente ein Skatturnier, das die Freunde der Nationalgalerie zur Unterstützung des Ankaufs veranstaltet hatten. Es brauchte einen siebenstelligen Betrag.

Wieso ist Ihnen das so präsent?

Weil wir das damals mit CPA initiiert und organisiert haben. Der kubanische Künstler Pozo hat das Dix-Motiv der drei skatspielenden Kriegsinvaliden neu gemalt. Das Pozo-Bild wurde auch verkauft, und es zierte die Einladungskarte für das Turnier.

Noch einmal zurück in unser Museum Wiesbaden: Welche Abteilung mögen Sie noch?

Den Jugendstil! Dass wir die Neess-Sammlung im Wiesbadener Museum haben, ist hervorragend. Meine Frau ist ein großer Jugendstil-Fan.

Ist im Jugendstil gern unterwegs: Ralf Frenzel findet es hervorragend, dass Wiesbaden die grandiose Neess-Sammlung besitzt. (Foto: Josh Schlasius)

Haben Sie auch schon die Museumsgala besucht, mit der die Freunde den Ankauf von Kunstwerken unterstützen?

Ja klar. Da hatte ich auch mal den Rotwein gesponsert.

Welche Museen besuchen Sie denn besonders gerne?

Ich bin gern in den Bonner Museen. Ganz toll finde ich das Guggenheim-Museum in Bilbao! Wenn ich in einer anderen, mir nicht so bekannten Stadt bin, laufe ich gern als „Quergänger“ durch die Straßen, da macht man so manche Entdeckung.

Viel Zeit werden Sie wohl nicht für Museumsbesuche haben. Wo waren Sie zuletzt – vermutlich vor Corona?

Vor Ausbruch der Pandemie war ich in Düsseldorf. Da wurde „Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945“ gezeigt.

Nun kommen wir aber zu Ihrer Kunst, spannende Projekte erfolgreich voranzutreiben. Können Sie kurz und knackig beschreiben, was die Hauptbetätigungsfelder Ihres Unternehmens sind?

Wir sind im Unternehmen CPA! Genusswerker – auf dem Feld von Essen und Trinken bieten wir mit unserem kulinarischen Wissen Beratung an, plädieren für konsequente Umsetzungen, machen mit unserer Strategieentwicklung konkrete Lösungsvorschläge.

Und der Tre Torri Verlag?

… ist die deutsche Buchmanufaktur. Es geht um Genuss, um Essen und Trinken, um Lifestyle. Viermal im Jahr erscheint „Fine“, das Weinmagazin.

Es gibt mit Ihnen, dem Herausgeber, auch eine ganze Reihe von Wein-Videos. Aber nun die Frage: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Alfred Biolek?

Schon als junger Sommelier in der Ente lernte ich ihn kennen. Er war Gast bei den Maifestspielen und anschließend im Restaurant. Und auch als Bernhard Paul von Roncalli bei uns in der Ente Geburtstag feierte, war Alfred Biolek mit dabei. Später war ich eine Zeit lang Weinhändler in Bonn und traf ihn wieder. Ich habe für ihn gekocht. Das fand er irre. Wir blieben in Kontakt.

Und dann, als Sie schon in der Sonnenberger Straße den Firmensitz hatten und erfolgreicher Geschäftsmann waren, kam die TV-Koch-Geschichte.

Stimmt, da durfte ich bei „alfredissimo!“ Mit-Ideengeber sein und Co-Produzent, verantwortlich für den kulinarischen Inhalt. Bis 2005 haben wir das gemacht. Wir haben immer Kontakt gehalten, bis er vergangenes Jahr gestorben ist.

Für „alfredissimo!“ wurde bei Ihnen im Studio gekocht?

Nein, das Fernsehstudio war in Köln. Aber in unseren Küchen in der Sonnenberger Straße, wo wir auch Küchenhändler schulen, wurden die Sendungen vorbereitet. Hier liefen die Fäden zusammen.

Sie haben vor kurzem bei meiner Kollegin Jutta Szostak in der „Blauen Stunde“ von Radio Rheinwelle beklagt, dass Kinder heute keine Esskultur mehr beigebracht bekommen …

Ja, das ist wirklich ein großes Problem. Die Kinder müssten in der Schule eine kulinarische Erziehung erhalten, sie haben überhaupt kein Wissen mehr über gutes Essen. Ich denke, auch in der musischen Erziehung hapert es oft sehr.

Schauen wir mal auf die Veränderungen beim Essen in Zeiten der Pandemie und des Homeoffice. Sie haben hier ein neues Betätigungsfeld entdeckt und konsequent besetzt: gutes Essen, zu Hause leicht, aber gut zubereitet.

Die Menschen brauchen Anleitung in ihren meistens viel zu kleinen Küchen, in denen es schwer ist zu kochen. Wir haben sehr schnell ein Fernsehstudio gebaut und zeigen, wie man mit wenig Aufwand beispielsweise einen richtig guten „Strammen Max“ auf den Teller bringt. Die Supermarktkette Real hat die Sendereihe gekauft und ausgestrahlt, eine Million Menschen am Tag dürften zugeschaut haben. Es waren 40 Folgen.

Ein guter Beleg dafür, dass Sie nicht nur in die Ecke Haute Cuisine gedrängt werden möchten.

Das wäre wirklich ein großes Missverständnis, wenn es mir nur um die Haute Cuisine gehen würde.

Aber bei Wein muss es schon die gehobene Klasse sein …

Wein zu trinken, muss ein Glücksgefühl auslösen – das ist doch auch so beim Ansehen eines Kunstwerks. Bilder können Sie berühren. Auch der Duft eines Weins in der Nase, die Aromatik, dann der Geschmack im Mund – das ist doch emotional!

Und oft wohl auch teuer.

Überlegen Sie einmal welche Arbeit dahinter steckt, bis der Wein in die Flasche kommt. Da ist viel Handarbeit nötig, viel Akribie. Das hat seinen Preis. Das sollte man sich bewusst machen. Wenn es um Weinproben mit besonderen Weinen geht, dann sind immer wirkliche Kenner aus der ganzen Welt dabei.

Und Sie haben auch schon in der ganzen Welt Weinverkostungen geleitet …

Ja, ich war viel unterwegs, war mal ein kleiner Star in der Branche. Englisch habe ich mir selbst beigebracht. Ich organisiere Ende April übrigens eine Weltraritätenprobe mit Spätburgunder aus dem Rheingau, vornehmlich aus Assmannshausen. Wir wollen zeigen, was die deutschen Weine zu bieten haben.

Vor kurzem sind Sie, Herr Frenzel, in zwei Weingüter eingestiegen mit Weinbergen am Rhein und an der Mosel: Geheimrat J. Wegeler (Oestrich-Winkel) und Krone Assmannshausen (Hattenheim). Was hat Sie dazu bewogen?

Die Gelegenheit hat sich ergeben. Ich bin Mehrheitsgesellschafter und werde mich um die Neuausrichtung kümmern.

Was sagen Sie zu folgendem Satz eines renommierten Weinkritikers zu Ihrer Person: „Es gibt wenige Menschen, die mehr von Wein wissen, die mehr von Wein verstehen als Ralf Frenzel.“

Ich denke, das stimmt.

Wo alles begann: Ralf Frenzel als Sommelier in der „Ente“ (Foto: Archiv/privat)

Den Grundstock haben Sie dank Hans-Peter Wodarz in der „Ente vom Lehel“ gelegt – er hat wohl ihr besonderes Talent schnell erkannt …

Schon ganz früh hat mich Wein interessiert, und ich habe angefangen, mich damit zu befassen. Als ich als Sommelier in die „Ente“ kam, war mein Wissen schon groß, es gab es den Ausbildungszweig Sommelier damals noch gar nicht. Im Restaurant kam ich dann auch mit Weinhändlern und mit Raritätensammlern wie Hardy Rodenstock zusammen.

Noch ein Stück zurück in Ihrer Biografie: Nach der Schule hatten Sie zuerst eine Kochlehre in Bad Ems gemacht, bevor Sie im Interconti Hotel Frankfurt die Ausbildung zum Restaurant-Fachmann absolvierten.

Ja. Und an einem arbeitsfreien Tag als Kochlehrling habe ich, es war 1978, am Kiosk den „Feinschmecker“ entdeckt und gekauft. Ich ließ mir auch schon mit 16 Visitenkarten drucken, da stand drauf „Angehender Hotelier“ … Im Herbst 1982 fing ich dann in Wiesbaden in der „Ente“ an. Mit Annemarie Wodarz habe ich mich immer ausgetauscht, sie hat sehr viel Ahnung von Wein.  Es war auch die Zeit, als der Ausbau der trockenen Weine so gehypt wurde.

Es gäbe sicher noch viel zu erzählen. Doch kommen wir zum Ende unseres Gesprächs: Wir haben immer noch Corona, und dann ist noch Putins schrecklicher Krieg ausgebrochen. Keine schöne Zeit zum Genießen. Was wünschen Sie sich?

Dass die Menschen trotz allem mal auf ein normales Maß zurückkommen können. Und dass man nicht alles, was schwierig ist, auf die Pandemie zurückführt. Der Ausnahmezustand muss uns eher Kraft geben, wir brauchen mehr Normalität. Natürlich bedrückt uns alle jetzt der Ukraine-Krieg so sehr. Aber ich glaube, gerade in der jetzigen Zeit ist auch die Kunst unglaublich wichtig. Sie hat alle Krisen überlebt – und sie beruhigt die Seelen.

Das Gespräch führte Ingeborg Salm-Boost


Zur Person
Ralf Frenzel ist im März 59 Jahre alt geworden. Er stammt aus einem kleinen Ort im Hunsrück, wo die Eltern eine Gastwirtschaft betrieben. In Bad Ems absolvierte er seine Ausbildung zum Koch, im Hotel Intercontinental Frankfurt schloss er die Ausbildung zum Restaurantfachmann an. Im Herbst 1982 stellte Sternekoch Hans-Peter Wodarz ihn in der „Ente vom Lehel“ als Sommelier ein, seine Zielstrebigkeit und seine reiche Weinkenntnis gefielen ihm. Da hatte Frenzel sich schon umfangreiches Weinwissen angeeignet. Es folgten eine Zeit als Weinhändler in Bonn, wo er Partner in der Wein Wolf-Gruppe war und als Konzeptentwickler bei Willi Leibbrand agierte, ehe er sich in Wiesbaden selbstständig machte. Ralf Frenzel ist geschäftsführender Gesellschafter und Herausgeber des Tre Torri Verlags, von Tre Torri digital und von CPA! (Communications- und Projektagentur). Bei Tre Torri werden u. a. hochwertige Kochbücher, Videos zum Thema Genuss und Publikationen über Sterneküchen herausgegeben. (In der Sonnenberger Straße gibt es mehrere Küchen, in denen Rezepte entwickelt werden und Schulungen stattfinden.) Außerdem erscheint viermal im Jahr das Weinmagazin „Fine“. Als Sonderbeilage liegt ein Extrakt von „Fine“ auch in überregionalen Zeitungen bei. Mit CPA! bietet Frenzel Strategieentwicklung und Beratung „im Spannungsfeld Essen, Trinken und Genuss“ an, so heißt es im Internetauftritt der „Genusswerker“. Insgesamt gehören dem Frenzel-Team 35 MitarbeiterInnen an. Er ist mit Bettina Frenzel verheiratet. Die Betriebswirtin und Marketingexpertin verantwortet im Tre Torri Verlag das Qualitätsmanagement für alle Druckerzeugnisse. Mit ihr geht er auf Walking-Tour, und genießt natürlich gutes Essen und gute Weine. Nach Hobbys befragt verweist Ralf Frenzel auf seine vielfältigen unternehmerischen Aktivitäten, die ihm Freude machen, legt allerdings auch Wert auf sportliche Betätigung. Wie bei allem, müssen diese bei ihm mit Zielen verbunden sein. Seit April 2021 ist der Kunstfreund Mitglied der Freunde des Museums Wiesbaden. (isa)

PS: Meine erste Begegnung mit Ralf Frenzel fand Anfang der 80er Jahre in der „Ente vom Lehel“ statt. Ich war dort als Redakteurin auf einem (sehr angenehmen) Termin. Ein junger Mann, der eine kleine Probier-Schale an einer langen silbernen Halskette trug, schenkte den vorzüglichen Wein aus. Ein Sommelier ist ein Mensch mit großer Weinkenntnis, das war mir bekannt. Was er da an der Kette trug, nennt sich Tastevin. Das lernte ich später beim Nachlesen dazu. Auch ich war noch recht jung …

 

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