Der Klang des Jugendstils

Das würde dem Mäzen gefallen

Wieder einmal durch unsere Jugendstil-Dauerausstellung wandeln und dieses großartige Gesamtkunstwerk, Geschenk des verstorbenen Sammlers Ferdinand W. Neess genießen. Und anschließend – oder auch zuvor – im Vortragssaal Musik aus dieser Epoche hören, dargeboten von Flötistinnen und Flötisten aus aller Welt. Das ist von Donnerstag, 23. Juni, bis Sonntag, 26. Juni, in Wiesbaden möglich. Denn Publikum ist bei dieser Veranstaltung im Museum Wiesbaden sehr willkommen. Lediglich am Sonntag, wenn das Finale stattfindet, braucht es für das Musikereignis eine Eintrittskarte. Danielle Neess hat den Wettbewerb, in dessen Zentrum die Musik um 1900 steht, in Gedenken an ihren verstorbenen Mann – der selbst bis ins hohe Alter Flötist war – ins Leben gerufen. Zum „Klang des Jugendstils“ finden sich auf der Website floetenwettbewerb-neess.de alle Details.

In den Jugendstil eintauchen: beim Besuch der Dauerausstellung und mit Flötenmusik … (Foto: Museum Wiesbaden/Bernd Fickert)

Wir haben bereits im April für diese Website ein Interview mit der Organisatorin Prof. Cordula Hacke geführt. Und heute – zur Einstimmung – sollen hier exemplarisch drei der Musiktalente zu Wort kommen, die sich um die Preise bewerben. Die drei ersten Plätze sind mit 5.000, 2.000 und 1.000 Euro dotiert. Hier nun drei Statements:


Jona Mehlitz:

„Sich umgeben von den Kunstwerken des Jugendstils und des Art Nouveau musikalisch ausdrücken zu können mit der Musik der Zeit um 1900: Das klingt für mich wunderbar! Außerdem freue ich mich darauf, die anderen MusikerInnen kennenzulernen und zu sehen, wie sie ihr „Gesamtkunstwerk“ erschaffen.“

(Übersetzung: Cordula Hacke)

„Das klingt für mich wunderbar.“ Jona Mehlitz zum Wettbewerb (Foto: privat)

Uliana Zhivitskaya:

„Die Gestaltung meines Wettbewerb-Repertoires war nicht leicht, aber sehr faszinierend. Ich hatte schon immer davon geträumt, eine Transkription eines Werks von Strawinsky zu schreiben, und hier gab es jetzt eine Chance!

Meine Idee war, die Faszination dieser Epoche zur östlichen Kultur zu zeigen. Deshalb habe ich eine Transkription (Fantasie) über Themen aus Strawinskys Oper „Nachtigall“ (1914) geschrieben, basierend auf Andersens Märchen über den Kaiser von China und die Stimme der Nachtigall, die die Macht hatte, den Tod zu besiegen. Die Nachtigall ist hier ein Symbol wahrer Kunst. Ich finde, das gibt Hoffnung.

Die zweite Bearbeitung wurde wie die Inkarnation meiner Vorliebe für die japanische Kultur geschaffen. Ich hörte mir die CD mit Liedern von Nikolai Tcherepnin (Elena Mindlina, David Witten) an und verliebte mich in Tcherepnins Stil und besonders in „7 Japanese Lyrics“ (1923). Die Partitur aller sieben Lieder existiert in Russland nicht und ich bat David Witten, mir zu helfen. Und ich war so glücklich, diese alte Partitur (die Erstausgabe, schätze ich) zu sehen, es war mein Traum!

Ich bin dem Wettbewerb dankbar für eine so große Motivation, die bezaubernde Welt der Belle Époque zu erkunden!“

(Übersetzung: Cordula Hacke)

Will mit ihrem Spiel in eine „bezaubernde Welt“ eintauchen: Uliana Zhivitskaya (Foto: privat)

Maël Metzger:

„Wann immer ich einen Wettbewerb, eine Prüfung vorbereite oder ganz gewöhnliche Kurse, tue ich immer ungefähr dasselbe.
Zunächst übe ich eine oder zwei Stunden die Technik. Ich arbeite auch Studien durch, die sich auf bestimmte Punkte konzentrieren, die ich verbessern möchte. Natürlich arbeite ich auch mit der Sammlung all dieser Flötisten, die ich zu Hause bei mir habe: Heriché, Taffanel, Bertold, Moyse, Reichert …

Danach arbeite ich an den Stücken, an einigen Teilen daraus, auch an besonderen Punkten. Wenn ich in einem großen Saal spielen soll, wie jetzt in Wiesbaden, arbeite ich noch zusätzlich an meinem Stand, an meiner Position im Raum, sodass der Klang voller wird. Ich übe auch das auswendige Spielen des Stücks, auch dann, wenn ich das anschließend im Konzert oder beim Wettbewerb nicht machen werde. Das hilft mir dabei, die Stücke besser zu beherrschen; alles wird dann sehr viel flüssiger. Manchmal spiele ich es auch auf dem Klavier, um die Harmonien besser zu verstehen, um dem Stück eine Richtung zu geben.

Im Augenblick, wo ich für den F.W.Neess Wettbewerb übe, reserviere ich mir große Räume im Pariser Konservatorium (CNSMDP), wo ich versuche, herauszufinden, wie ich dem Klang eine Richtung geben kann. Es ist sehr angenehm, dort in der Stille zu arbeiten.
Ich finde es sehr aufregend, an diesem Wettbewerb teilzunehmen, weil es immer toll ist, vor Publikum zu spielen, um meine Arbeit und meine Freude daran zu teilen.

Ich bin hocherfreut, an diesem Wettbewerb teilzunehmen, der sich der Musik aus dem 19. Jahrhundert widmet: nach meiner Auffassung ist es die wichtigste Aufgabe der Musik, Bilder zu transportieren, Sensationen und träumerische Momente.

Was mir besonders daran gefällt, symbolistische Musik zu spielen, ist, dass es sowohl eine sehr große Präzision erfordert und gleichzeitig Freiheit in der Gestaltung erlaubt. Ich glaube, das ist hier Aufgabe und die Freude für den Interpreten.

Was ich klar erhoffe ist, im Wettbewerb möglichst weit zu kommen, nicht nur, um einen Preis zu erhalten, sondern auch um das Vergnügen zu haben, all die Stücke spielen zu können, die ich mir für das Finale ausgesucht habe, damit in Wettbewerb zu treten und mich an dem großen Moment zu erfreuen.“

(Übersetzung: Christoph Deinhard)

Statement von Maël Metzger, Teilnehmer des 1. Internationalen Flötenwettbewerb Ferdinand W. Neess (Foto: HBWDESIGN.DE)

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